Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger
THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens
412 Christiane Thomas ten zu lesen waren, nicht ganz so wörtlich zu interpretieren. Einerseits mußte man bestrebt sein, von Fortschritten, die auch zweifellos vorhanden waren, zu berichten, um die Protektorin für ihre Suche nach Geldmitteln zu beeindrucken; andererseits war es nicht falsch, die Wörter „fast fertig“ zu gebrauchen, wenn der Hauptanteil des betreffenden Abschnittes bewältigt war. Aber man unterschätzte nicht nur ein Mal den zeitlichen Aufwand, den der Restanteil erforderte. Sicherlich war Bittner bewußt, daß ähnlich Lautendes sowohl im Juni 1922 wie im Januar 1923 nach Paris geschrieben wurde. Die langen Ausführungen, die er zuletzt dem Zustandekommen des Registers widmete113), sollten besonders auf die ein Übermaß an Zeit beanspruchende Detailarbeit auf diesem Gebiet deuten. So war es entschuldbar, daß immer noch Kleinigkeiten zu ergänzen waren. Im großen und ganzen gesehen, konnte der Band Anfang 1923 als vollendet angesehen werden114), wenn man die deutsche Fassung im Auge hatte. Hier lag ja der neuralgische Punkt, denn bezogen auf einen „universellen Interessentenkreis“ und ausgehend von der Tatsache, daß amerikanisches Geld das Unternehmen stützte, hatte Mrs. Tyler englisch zur Sprache für das „literarische Beiwerk“ bestimmt115). Wie nun diese Übersetzung durchgeführt werden sollte, wurde nie berührt. Wer die englische Fassung des Prospectus verfaßt hatte, war nicht zu eruieren, und bei allem Respekt für die wissenschaftlichen Qualitäten der Archivare muß konstatiert werden, daß deren Englischkenntnise nicht ausreichten, die englische Endredaktion zu verantworten116). Das Register zu übersetzen117), bedeutete einen Hemmschuh. Noch mehr fürchtete man die Komplikationen, die im Mai 1923 Mrs. Tylers Anregung, französisch gleichwertig neben englisch einzubeziehen, beschwor. Bittner und Mayr, die zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon skeptisch hinsichtlich der Weiterführung waren, sahen darin ein Abweichen von der ursprünglichen Linie, die eine neuerliche kostspielige Belastung hervorrufen würde118). Von Archivarsseite war alles geschehen, um das Ziel zu erreichen, neue Ideen würden neue Initiativen der leitenden Spitze verlangen. VII Er erübrigte sich, für oder gegen die französische Sprache zu polemisieren — das finanzielle Dilemma, das sich bereits Dezember 1921 angebahnt hat,13) Ebenda. 114) Bittner Einleitung 201* spricht von 1921, doch ist dieses Datum auf Grund der KA-Acta Extera nicht aufrechtzuerhalten. 115) KA ad. ZI. 808/1923. 116) Siehe Anm. 90. Für die Generation von Archivaren der Ersten Republik ist französisch die wichtigste lebende Fremdsprache. Die englischen Überschriften, vor allem aber die Anmerkungstexte (siehe z. B. Acta Extera Abschriften 1 n. 1) hätten unbedingt einer Korrektur durch einen Dolmetsch oder Anglisten bedurft. 117) ZI. 39/1923. 11S) KA ad ZI. 808/1923.