Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger

THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens

400 Christiane Thomas sehen Forschem bei schwer verständlichen deutschen Originalen des 16. Jahrhunderts mit einer englischen Beschriftungszeile nicht gedient wäre37). Wir wollen dem noch hinzufügen, daß, unter Voraussetzung, die Publikation hätte hohes Niveau und hielte kritischen Rezensionen stand, kein fremdspra­chiger Anteil notwendig wäre. Gelehrte aller Nationen müssen z. B., soferne ihre Thematik davon berührt wird, zu den deutsch kommentierten Nuntia­turberichten greifen. III Im Dezember 1920 war man weit von einer solch drastischen Ausdrucksweise entfernt. So stand als Titel Acta Extera Caroli V. edited by the Haus-, Hof- und Staatsarchiv mit dieser Sitzung fest. Mit der Planung und Überwachung aller Arbeiten betraute Mrs. Tyler eine Kommission, der als Mitglieder nach ihrem Vorschlag Prinz Franz von und zu Liechtenstein, Oswald Redlich, Prä­sident der Akademie der Wissenschaften, Emil Ottenthal, Vorstand des Insti­tuts für österreichische Geschichtsforschung, Oskar Mitis, der Direktor des Archivs, Josef Hardegg, pensionierter Sektionsrat des Archivs38), und sie selbst angehören sollten. Dringendste Aufgabe der Kommission, die schon am 30. Dezember zum ersten Mal zusammentrat39), war es, ein detailliertes Programm zur Abwicklung aller zukünftigen Agenden auszuarbeiten und für die Herstellung eines Probedrucks und eines Prospekts zu sorgen40). Letztere bildeten Punkt 1 der Diskussion41). Bevor man sich noch über Organisation und Aufnahmerichtlinien den Kopf zerbrach, bevor man sich der Mitwirkung der Be­amten sicher war, verhandelte man bereits mündlich mit der Druckerei Holzhausen, die nach dem Muster der Calendars einen vierseitigen Probedruck herstellte. Der Titel­seite folgte auf Seite 2 die Aufzählung der Kommissionsmitglieder mit der fehlerhaften Nennung von ,,Mrs. Elesina Royall-Tyler“ und auf den Seiten 3 und 4 die lateinische Instruktion ,,for Cornelius Duplicius Scepperus, imperial ambassador in (!) Poland“. Bittner konzipierte die Vorbemerkung, die als Prospectus ins Englische übersetzt wurde und auch die sogenannte „interne“ Korrespondenz in die Edition einschloß42). Man wird Mrs. Tyler beipflichten müssen, daß die Wahl dieses Dokuments nicht allzu glücklich getroffen war: Werbung, die der Probedruck bezwecken sollte, mußte mit „packenderen“ Schriftstücken betrieben werden. In Hinblick auf angelsächsische Subskribenten plädierte Mrs. Tyler dafür, einen französisch, in der Sprache, die am häufigsten verwendet wurde, abgefaßten Bericht mit Bezug auf englische Angelegen­37) Ohne ZL: Stellungnahme Mayrs von 1924 April 7 (vielleicht als Beitrag zur Komiteesitzung von 1924 April 9 - ZI. 693/1924 - gedacht). - Über Josef Karl Mayr siehe Hüter Biographien 85-88. 38) Für Mitis und Hardegg siehe ebenda 90-94 und 51 f. 39) ZI. 3/1921. Nachträglich wurde Ludwig Bittner, Stellvertreter des Archivdirek­tors, in die Kommission kooptiert: ZI. 55/1921. - Über Bittner siehe Hüter Biogra­phien 14-20. 40) Ad ZI. 1213/1920. 41) ZI. 3/1921. 42) Ad ZI. 55/1921. Für Bittners Ausführungen siehe auch oben S. 397 und Anm. 34.

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