Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 28. (1975) - Festschrift für Walter Goldinger
THOMAS, Christiane: Acta Extera Caroli V. Geschichte eines gescheiterten Archivunternehmens
Acta Extera Caroli V. 401 heiten von „interét humain“ auszusuchen. Im Archiv hatte man mit vollem Bedacht auf Sceppers Auftrag zurückgegriffen, um eine neue, bisher nicht gewürdigte Quelle vorzuführen. Gesandtenberichte aus England waren ja durch die Serie der Calendars relating to the Negotiations between England and Spain zumindest dem Inhalt nach bis 1552 bekannt. Doch war man bereit, auf Mrs. Tylers Wünsche einzugehen, und zog eine Relation des kaiserlichen Gesandten Simon Renard von 1554 Juli 26 mit der Schilderung der Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen Philipp II. von Spanien und Mary Tudor heran43). In völliger Verkennung der Zielsetzung des Unternehmens beabsichtigte Mrs. Tyler, den Probedruck noch mit einem Schreiben Marys an Francisco Moro- nelles von 1551 Februar 3 „aufzuputzen“, stieß aber nun auf den Widerstand Mitis’, der ihr nachwies, daß auf diese Weise die Bestimmungen der Sitzung vom 16. Dezember 1920 verletzt werden würden: Wenn schon ein zweites Beispiel notwendig war, dann dürfte es nur der diplomatischen Korrespondenz Karls entnommen werden. So entschied man sich für Francois van der Dilfts Mitteilung von 1547 Januar 31 über den Tod Heinrichs VIII44). Den Druck, der sich an das Druckbüd der Calendars anlehnte, besorgte die Firma Rikola45). Der Prospekt, dessen englischer Druck bereits vermerkte, daß jegliche „internal correspondence“ ausgeschlossen sei46), sollte von Mrs. Tyler einer sprachlichen Überarbeitung unterzogen werden47) und auf der letzten Seite ein abreißbares Formular für Subskriptionsanmeldung aufweisen48). Aber ebensowenig wie die Anregung, einen französischen Werbetext zu verfassen49), wurde diese Ausgestaltung verwirklicht. Wenn man mit der „weiteren Ausstattung“ der Vorbemerkung zuwarten wollte, bis die „geschäftlichen Bedingungen“ fixiert sein würden50), so ahnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht, daß dies nie erreicht werden würde. Man veränderte zwar das Aussehen der Titelseite, indem man einen französischen Untertitel - Correspondance diplomatique de l’empereur Charles Quint - einsetzte, man entschloß sich, statt Prospectus die Wörter Forword und Avant-propos zu gebrauchen51): Doch scheint die „weitere Ausstattung“ nicht über diese handschriftlichen Notizen auf dem gedruckt vorliegenden Prospekt hinausgegangen zu sein. Am liebsten hätte es Mrs. Tyler gesehen, auch eine Probeseite aus dem Index in Paris, wo sie ein Komitee zur Entgegennahme der Abonnements schaffen wollte52), vorweisen zu können53) — eine etwas naiv anmutende Vorstellung, die Mitis sofort als nicht durchführbar abtat54). Wie sollte schon vier Monate nach der ersten Kontaktnahme ohne genaue Bearbeitung des gesamtes Stoffes auch nur der Ansatz eines Registers erstellt werden? 43) ZI. 412/1921: Oskar Mitis an Elesina Tyler, 1921 März 26 Wien. 44) ZI. 481/1921. Es zeigt den Optimismus der Initiatorin für den Erfolg der Acta Extera, wenn sie Marys Brief aus dem Jahr 1551 als Appendix in den entsprechenden Band aufgenommen wissen wollte, da keine andere Überlieferung existiere: ZI. 575/1921. 45) ZI. 554/1921. Siehe unten S. 415. 46) Ad ZI. 1107/1921: Prospectus 6. 47) ZI. 760/1921. 48) ZI. 481/1921: Elesina Tyler an Oskar Mitis, 1921 April 2 Paris. 49) ZI. 760/1921. 50) Ad ZI. 1107/1921: Handschriftlicher Vermerk von 1921 Juni 8 auf der Titelseite des Prospectus. 51) Ad ZI. 759/1921: verbesserter Prospectus. S1) ZI. 760/1921. 53) ZI. 575/1921. M) ZI. 481/1921: Oskar Mitis an Elesina Tyler, 1921 April 20 Wien. Mitteilungen, Band 28 26