Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

BENNA, Anna Hedwig: Zu den Kronen Friedrichs III

Zu den Kronen Friedrichs III. 53 sondern vor der Cortina dar. Die tiaraähnliche Form der Kaiserkrone Friedrichs III. auf diesem Truhenbild dürfte der Wirklichkeit nicht abge­schaut worden sein, sondern eher der südlichen Mentalität des Künstlers und seinen Vorstellungen von einer kaiserlichen Krone entsprungen sein172). Der Wirklichkeit näher dürfte eine kolorierte Federzeichnung, die Erhebung des Borso d’Este von Ferrara zum Herzog von Modena durch den Kaiser darstellend, gekommen sein, die Friedrich mit hoher Krone und im Kaiserornat mit gekreuzter Stola darstellte173 174). Friedrichs Siegel, deren er sich nach seiner Kaiserkrönung bediente, sein kaiserliches Maje­stätssiegel m), die Kaisergoldbulle175) und die Aversseite des 1459 ge­stochenen „sigillum maius ducale“ für Österreich 176), tragen eine Mitren­krone mit einem Reif mit laubartigen Aufsätzen, einer Mitra mit den cornua über den Schläfen, einem Bügel, vor dessen Ansatzpunkt ein Stirn­kreuz sitzt, sowie Kreuzchen auf den Spitzen der cornua der Mitra im Siegelbild. Heraldische Darstellungen dieser Mitrenkrone finden sich in Wappenbriefen aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren, wie etwa der Wappenverleihung für die Stadt Wiener Neustadt, die vom Kaiser am 11. Juli 1452 mit einem neuen Wappen, einem schwarzen Adler mit zwei Häuptern und einer über den beiden Adlerhäuptern schwebenden weißen Krone mit weißem Kreuz auf goldfarbenem oder gelbem Schild, begabt wurde 177), und in der Wappenbesserung für die Stadt Wien vom 26. Sep­i72) Museum of Art Worcester. Vgl. Werner Weisbach Eine Darstellung der letzten deutschen Kaiserkrönung in Zeitschrift für Bildende Kunst NF 14 (1913) 255 f, 259; Paul Schubring I cassoni 1 (Leipzig 1923) 285; Stella Mary Pearce Costumi Tedeschi e Borgignoni in Italia nel 1452 in Commentari Rivista di Critica e Storia dell’Arte 8 (1957) 245, Taf. 88 Fig. 1; Eger Ikono­graphie 28 ff; Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt 349 n. 135, Abb. 18; K u g 1 e r Reichskrone 146, Abb. 22. — Eine der Cassonedarstellung ähnliche Krone ist auf dem Fastentuch von Gurk des Meisters Konrad von Villach von 1458 (Tod Julius Caesars) zu sehen; vgl. Die Restaurierung von Textilien in ÖZKD 12 (1958) 189 f. 17*) Biblioteea Classensis Ravenna cod. 302 fol. 31. Hermann Julius Her­mann Zur Geschichte der Miniaturmalerei am Hof der Este in Ferrara in JbKS 21 (1900) 141 Abb. 10; Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt 350 n. 138. 174) Posse Siegel 2 Taf. 25 n. 1; 5 52; Kemmerich Deutsche Kaiser und Könige Abb. S. 53; E g e r Ikonographie 150 n. 81, Taf. 27. 175) Posse Siegel 2 Taf. 26 n. 2; 5 52; Eger Ikonographie 150 n. 82, Taf. 28 n. 1. — Nach Peter von Andlau konnte der erwählte römische Kaiser erst nach seiner Kaiserkrönung eine Bulle benützen: vgl. Hürbin in ZRG GA 13 173. 176) Posse Siegel 2 Taf. 27 n. 1; 5 52 f; S a v a in MCC 16 158, 159 Fig. 99; Paul K1 e 11 e r Die Kunst im österreichischen Siegel (Wien 1927) Taf. 40 Abb. 112; Lhotskyin JbKS NF 13 81 Abb. 77; K i 11 e 1 Siegel 235. 177) Stadtarchiv Wiener Neustadt. Vgl. Josef Anton Mayer Geschichte von Wiener Neustadt 2 (Wiener Neustadt 1926) 10; Rudolf Geyer Siegel und Wap­pen der Stadt Wien in Wiener Geschichtsblätter 1 (1946) 6; Franz Gail Oster-

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