Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung

Rezensionen 501 Für deutsche Städte gibt es vier Referenten: Karlheinz Blaschke (Städte und Stadtherren im meissnisch-lausitzischen Raum während des 14. Jahrhunderts, S. 55—72) berücksichtigt eine „mehr am Rande liegende Landschaft und Periode“ (S. 55), die für das Verhältnis von Stadt und Stadtherr ein auf den gegenseitigen Nutzen gegründetes Einvernehmen aufweist. — Johannes Bischoff untersucht Die Stadtherrschaft des 14. Jahrhunderts im ostfränkischen Städtedreieck Nürnberg—Bamberg— Coburg—Bayreuth (S. 97—124) nach den Stadttypen Reichs-, Bischofs-, landesfürstliche und privat- oder adelsherrliche Städte. — Wilhelm Stürmer (Stadt und Stadtherr im wittelsbachischen Altbayern des 14. Jahrhunderts, S. 257—273) erarbeitet vier Charakteristika der wittels­bachischen Städtepolitik: Auffallend ist die große Zahl der Gründungen, deren wirtschaftliche Aufgaben den Landesherren zugute kommen; dane­ben sind die Herzoge an der Ausgestaltung zur Residenz der bedeutend­sten Städte interessiert und erteilen nur solche Privilegien, die ihre Stel­lung nicht gefährden. — Horst Rabe (Stadt und Stadtherrschaft im 14. Jahrhundert — Die schwäbischen Reichsstädte, S. 301—318) führt als das „spezifische Verfassungsmerkmal“ der Reichsstädte den „weitgehen­den Ausschluß fremder, nicht Kaiser und Reich zustehender Herrschafts­rechte“ (S. 308) an und veranschaulicht, wie im Lauf des 14. Jahrhunderts die kaiserlichen Herrschaftsmomente an die Ratsgremien der Städte über­gehen. Für Böhmen kommt Jifi K e j f (Organisation und Verwaltung des kö­niglichen Städtewesens in Böhmen zur Zeit der Luxemburger, S. 79—90) zu Wort: Die starke zentrale Regierungsgewalt in dieser Epoche verhin­dert, daß die Städte im politischen System einen wichtigen Faktor bilden; eine führende Stellung auf diesem Sektor erlangen sie erst mit dem Ver­fall der königlichen Macht. — Das Referat von Wojciech M. Bartel (Stadt und Staat in Polen im 14. Jahrhundert, S. 129—162) sprengt den Rahmen: Es hätte vollauf genügt, die Blütezeit der polnischen Städte un­ter Kasimir dem Großen (1330—1370) zu skizzieren; eine Erörterung des sattsam bekannten Streites zwischen deutscher und polnischer Historiogra­phie um die Theorie der Entstehung der mittelalterlichen polnischen Stadt ist hier fehl am Platz. — Den ungarischen „oppida“ — Siedlungen mit wirtschaftlichen, verwaltungs- und rechtsmäßig städteähnlichen Funktio­nen ohne städtischen Charakter — gelten die Überlegungen Erik Füge- d i s (Die Ausbreitung der städtischen Lebensform — Ungarns Oppida im 14. Jahrhundert, S. 165—192), während András Kubinyi (Der ungari­sche König und seine Städte im 14. und am Beginn des 15. Jahrhunderts, S. 193—220) das Ziel der königlichen Städtepolitik auf deckt, eine Groß­stadt als Mittelpunkt, Mittelstädte an der Landesgrenze und verbindend zwischen beiden ein Netz von Kleinstädten anzulegen. Allen Vorträgen sind in der Druckfassung überaus gründliche Anmer­kungsapparate angeschlossen, die vor allem dem deutschsprachigen Leser den Gewinn einer Übersicht über den Stand der Literatur in Böhmen, Polen und Ungarn (mit Übersetzung der fremdsprachigen Titel) bringen. Auch die Diskussionsbeiträge zu jedem einzelnen Referat wurden in den Band aufgenommen. Es fragt sich allerdings, ob es günstig ist, jede Wort­

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