Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung
500 Literaturberichte Der geographische Raum, der unter Mitteleuropa angesprochen wird, umfaßt Deutschland, Schweiz, Österreich, Böhmen, Ungarn und Polen. Diese Reichweite öffnet den Weg zu Zusammenhängen der Stadtgeschichte über Landesgrenzen hinaus und führt zwangsläufig zur vergleichenden Stadtgeschichtsforschung. Der Gewinn für die österreichische Fachrichtung ist ein doppelter: Zum ersten haben sich ihre Tagungsteilnehmer — dem abgesteckten Rahmen entsprechend — mit dem „ganzheitlichen Stadt- begriff“ (Knittler S. 379) auseinanderzusetzen, zum anderen wird mit der Kenntnis um Wesen und Problematik von Städten anderer Herrschaftsgebiete eine Fülle von Anregungen und Betrachtungsweisen ausgebreitet, die die künftige Arbeit vorantreiben könnte. Der Österreichische Arbeitskreis vereinigt daher nicht nur eine Gruppe Gleichgesinnter, sondern konfrontiert in seinen Kongressen — 1973 versammelte man sich in Villach, für 1974 wurde Wien als Tagungsort gewählt — regionale Forschungsergebnisse. Einzig der Festvortrag von Hans Patze (Die Bildung der landesherrlichen Residenzen im Reich während des 14. Jahrhunderts, S. 1—54) folgt nicht dem Regionalprinzip. Der Autor, der seine Ausführungen als erste Überlegungen aufgefaßt wissen will, ist bestrebt, die Momente zu suchen, die die besondere Funktion der Stadt im 14. Jahrhundert als feste Residenz ausmachen, und erläutert seine Beobachtungen an Hand von Prag und Wien. — Drei Beiträge stellen eine einzige Stadt in den Mittelpunkt: Peter Csendes (Stadtherr und bürgerliche Führungsschicht im Wien des 14. Jahrhunderts, S. 251—256) sieht die „Beziehung Wiens zu den Landesfürsten und Stadtherren ... synchron zur Geschichte der Dynastie“, wobei nur die Regierung Rudolfs IV. von einem „Einflußnehmen durch bloße Präsenz“ (S. 251) abwich. — Für Jürgen S y d o w (Tübingen und seine Stadtherren als Beispiel der Entwicklung in einer südwestdeutschen Territorialstadt, S. 283—300) steht fest, daß vorerst noch eine Reihe von Einzelarbeiten notwendig ist, bevor bei der allzugroßen Vielfalt von Erscheinungsformen eine Zusammenfassung vorbereitet werden kann. — Karl Mommsen (Schaffhausen unter österreichischer Pfandschaft, S. 361—377; greift einen Spezialfall des Verhältnisses von Stadt zu Stadtherr heraus und weist nach, wie es dem Pfandherrn von einer schmalen Ausgangsbasis aus gelang, die volle Abhängigkeit der Stadt zu erreichen. Die österreichischen Länder sind zweifach vertreten: Karl G u t k a s (Das Städtewesen der österreichischen Donauländer und der Steiermark im 14. Jahrhundert, S. 229—245) warnt vor einer Unterschätzung der Entwicklung des Städtewesens, das zwar im fraglichen Zeitabschnitt hinsichtlich des äußeren Wachstums keine auffallenden Änderungen zeigt, dessen Kommunalpolitik aber eben damals entscheidend gestaltet wird. — Der außerordentlich klar gegliederte Vortrag von Wilhelm Neumann (Landesfürst, Stadtherren und Städte Kärntens im 14. Jahrhundert, S. 325—344) unterstreicht die Besonderheit dieses Landes, dessen Städte trotz der territorialen Aufsplitterung in bambergischen, görzischen, habsburgischen und salzburgischen Besitz durch ihre Lage an „erstrangigen europäischen Verkehrswegen“ (S. 325) eine hervorragende Stellung einnehmen.