Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung
Rezensionen 491 Diethild Harrington-Müller Der Fortschrittsklub im Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrates 1873—1910 (Studien zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie. Hg. von der „Kommission der österreichisch- ungarischen Monarchie [1848—1918]“ an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 11). Hermann Böhlaus Nachf. Wien—Köln—Graz 1972. 195 S. Man kann nicht behaupten, daß die Geschichte der politischen Parteien der franzisko-josephinischen Ära bisher besondere Anziehungskraft auf die historische Forschung ausgeübt hätte. Es ist der Vfn daher zu danken, daß sie dennoch den Versuch unternommen hat, aus dem vorhandenen Material (Stenographische Protokolle des Reichsrates, Handbücher, Zeitungen, Literatur und Nachlässe) ein anschauliches Bild des Fortschrittklubs zu zeichnen, ein Versuch, der — es sei dies gleich vorweggenommen — als durchaus geglückt bezeichnet werden kann. Nach einer eingehenden Darstellung der Entwicklung und Ziele des Klubs, schildert die Vfn dessen Haltung zu zentralen Fragen der Innen- und Außenpolitik. Einen wesentlichen Teil der Arbeit bildet der sorgfältig ausgewählte Anhang. Hier ist besonders auf die Verzeichnisse zu verweisen, die Aufschluß über die Zusammensetzung des Fortschrittklubs nach Zahl, Kronländern und Kurien geben. Aus ihnen läßt sich deutlich sein schwindender Einfluß — die Zahl der deutschfortschrittlichen Abgeordneten sank von 58 (1873) auf 15 (1907), wobei man noch die steigende Zahl der Reichsratsabgeordneten berücksichtigen muß — sowie die allmähliche Beschränkung auf die Wählerschichten Böhmens, Mährens und Schlesiens ablesen. Die wichtigsten Mitglieder des Klubs werden in kurzen aber prägnanten Biographien vorgestellt. Es wäre zu hoffen, daß die vorliegende Arbeit Anstoß zu weiteren Untersuchungen des Parteiwesens der Donaumonarchie geben möge. Horst Brettner-Messler (Wien) Ingrid R a a b e Beiträge zur Geschichte der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Österreich-Ungarn 1908—1912 (Dissertationen der Universität Wien 63). Verlag Notring, Wien 1971. VII, 349 S. R. hat in der hier zu besprechenden Arbeit ein bisher eher vernachlässigtes Kapitel der diplomatischen Geschichte vor dem Ersten Weltkrieg einer sehr gründlichen Untersuchung unterzogen. Sie stützt sich auf das reiche Quellenmaterial in den Wiener und Pariser politischen und militärischen Archiven sowie auf die einschlägigen Quellenpublikationen, welch letztere allerdings für ihr Detailproblem relativ wenig ergiebig sind. Wie einleitend ausdrücklich hervorgehoben wird, beschränkt sich die Arbeit auf die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen Frankreichs und Österreichs. Diese Beschränkung mag vielleicht doch etwas zu rigoros eingehalten worden sein, so daß sich die Darlegungen vielfach im luftleeren Raum bewegen. Vom Leser wird die genaueste Kenntnis aller Details der Geschichte dieser Zeit offenbar vorausgesetzt. Es hätte aber die Arbeit kaum wesentlich länger gemacht, wenn R. zumindest in wenigen Strichen Zusammenhänge skizziert und etwa mit wenigen Worten erwähnt hätte, was der Inhalt des Artikels 29 des Berliner Kongresses ist oder worum es sich