Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung

488 Literaturberichte er dabei nicht nur die Vorgeschichte der deutschen Frage berücksichtigt, sondern auf die persönliche Entwicklung Beusts auch in ihren sozialen Aspekten hinweist, macht die Lektüre der Studie besonders lesenswert, umso mehr, als die ungemein breite Quellenbasis, auf die sich der Vf. stützt, uns auch für die Fortsetzung dieser Beuststudien das Beste hoffen läßt. Rudolf Neck (Wien) Paul W. Schroeder Austria, Great Britain and the Crimean War. The Destruction of the European Concert. Cornell University Press, Ithaca and London 1972. XX, 544 S., 2 Karten, 14 Abb. Als Ergebnis jahrelanger Forschungen in österreichischen, englischen und französischen Archiven — darunter zahlreichen privaten — hat S. die Aktion und Strategie der leitenden Staatsmänner rund um den Krimkrieg mit minutiöser Genauigkeit dargestellt. Ganz bewußt hält er sich, wie er in der Einleitung betont, an die traditionelle Methode und verzichtet auf Analysen des Entscheidungsprozesses der politisch treibenden Eliten, der inneren und sozialen Strukturen oder auf psychodynamische Theorien. Es erscheint ihm weniger wichtig, warum ein Staatsmann diese oder jene Ent­scheidung trifft, als welche Wirkung sie im internationalen Kräftespiel hatte: Man müsse eben die diplomatische Geschichte nach ihren eigenen Regeln schreiben, sonst werde sie eher verdunkelt als erhellt. Der Staats­mann handle meist in einer Situation, über die er keine Kontrolle hat, Gelegenheit und Notwendigkeit hätten oft das Übergewicht über Motive und Absichten. In der Diplomatie gebe es keine einfachen Handlungen, sie verbinde hohe Rationalität mit großer Ungewißheit des Ergebnisses. Diese Thesen sind allerdings in der Einleitung weit schärfer, um nicht zu sagen überspitzt, formuliert, als sie dann im Verlauf der Darstellung durchgehalten werden. Vor allem in England muß S. zwangsläufig immer wieder das Gewicht der öffentlichen Meinung, den Einfluß verschiedener Politiker außerhalb des diplomatischen Dienstes, die Rücksichtnahme auf die übrigen Mitglieder des Kabinetts und die Sorge um dessen Erhaltung eingehend in Betracht ziehen; er kann auch nicht die Rolle des Nationalis­mus, vor allem in Italien und am Balkan, außer Acht lassen. Überdies arbeitet er sehr wohl die leitenden Ideen der Hauptakteure, vor allem Buols, heraus und betont wiederholt die Kontinuität der österreichischen Außenpolitik seit Metternich. Das Schlußkapitel untersucht eingehend die Folgen des Krimkrieges für die weitere weltgeschichtliche Entwicklung bis zur Gegenwart. Wie schon im Titel angedeutet, konzentriert sich die Untersuchung auf England und Österreich als die Protagonisten zweier Systeme der Gestal­tung der Beziehungen zwischen den europäischen Staaten, wobei Buol als wohl schwacher und nicht sehr geschickter, aber doch konsequenter Ver­treter des seit 1815 bestehenden Konzerts der Mächte erscheint, welches auf dem Willen der fünf Großmächte zur Zusammenarbeit und Selbstbe­schränkung beruhte. Hauptgegner dieses Systems war England, dessen

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