Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung
Rezensionen 479 auch im lokalen Bereich an der Grenze beginnt farbiger, reicher an Facetten zu werden. Status und Wirkungsbereich der Diplomaten werden eingehend beschrieben, Vergleiche mit den anderen an der Pforte vertretenen europäischen Mächte angestellt. Ziemlich weitgehend sind die Versuche, das Völkerrecht gegenüber dem osmanischen Willkürstaat zu festigen und auszubauen. Auch die inneren Verhältnisse im Osmanischen Reich finden ihre gebührende Berücksichtigung. Eingehend beschäftigt sich M. mit den Persönlichkeiten am Hof und in der Staatsverwaltung. Die politische Struktur des türkischen Staates wird nach ihrer Organisation durchleuchtet. Alle diese Faktoren bestimmen wieder ihrerseits die Arbeitsweise des kaiserlichen Residenten. Drastisch werden auch die Schwierigkeiten geschildert, die sich der Beförderung der diplomatischen Post zwischen Wien und Konstantinopel entgegenstellten. Nach der Erzählung der sehr romantischen Jugendgeschichte seines Helden legt M. den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Zeit von 1629 bis 1643, in der Schmid kaiserlicher Resident an der Pforte gewesen ist. Auf Grund der Berichte des Gesandten aber auch anderer Quellen liefert uns M. ein eindrucksvolles Bild vom Charakter und von den hervorragend menschlichen Qualitäten des Residenten. Schmid konnte auch nach seiner Rückberufung 1643 weiterhin seine speziellen Fähigkeiten dem Kaiser zur Verfügung stellen. Er wurde Mitglied des Hofkriegsrates, jenes Gremiums, dem der Verkehr mit der Pforte auch in Friedenszeiten oblag. 1649 als Internuntius, 1650/51 als Sonderbotschafter bei Mehmed IV. sehen wir ihn wieder am Goldenen Horn. In der Zeit von 1652 bis 1663 war er im Hofkriegsrat Sachbearbeiter für die osmanischen Angelegenheiten. Er beschloß jedoch seine diplomatische Laufbahn 1664 als kaiserlicher Gesandter bei der Eidgenössischen Tagsatzung im Zusammenhang mit der Türkenhilfe. Nach der Rückkehr, nach dem Frieden von Eisenburg, nahm Schmid 1666 den Abschied und ist im folgenden Jahr in Wien gestorben. Sein Epitaph ist noch heute in der Wiener Schottenkirche zu sehen. M. bringt noch in einem umfangreichen Anhang genealogisch-heraldisches Material über Schmid und vor allem dessen umfangreiche Finalrelationen, deren Edition als selbständige und zusätzliche wissenschaftliche Leistung gewertet werden darf. Noch einmal muß die breite Quellenbasis aus Archiven und Sammlungen von sechs verschiedenen Staaten hervorgehoben werden, die den Grundstock für diese glänzende Doktorarbeit bildet. In der Inhaltsübersicht fehlen ab S. 139 sämtliche Seitenangaben. Rudolf Neck (Wien) Hanns Leo Mikoletzky Österreich. Das entscheidende 19. Jahrhundert. Geschichte, Kultur und Wirtschaft. Austria-Edition (österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst), Wien 1972. 536 S., illustr. Dieser Band schließt nunmehr die Lücke zwischen dem Glorreichen Jahrhundert und der Zeitgeschichte des Vfs. Die drei Bände dürften die erste mehrere Jahrhunderte umfassende Geschichte Österreichs eines