Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

HLAVAC, Franz: Die Armeereorganisation der Jahre 1881–1883 in der Donaumonarchie

Armeereorganisation 1881—1883 241 Die Studien über diesen eventuellen Doppelkrieg ließen die inneren Mängel und Schäden des österreichisch-ungarischen Heeres und der Eisen­bahnen noch weit schärfer hervortreten. Nicht nur das Bedürfnis nach Bes­serung der Aufmarschbahnen machte sich geltend, sondern vielmehr noch jenes einer Heeresreform. In einem Vortrag vom 10. März 1831 7) ging Schönfeld neuerlich auf diesen Fragenkomplex ein: Er halte es nun für unaufschiebbar, die Fortentwicklung der Organisation und Dislokation des k. k. Heeres, und zwar im Sinne des Territorialsystems, aufzu­greifen. Diese sei die richtige und passende Form für die allgemeine Wehrpflicht, es sei auch bekannt, daß dieses System, eine der Hauptursachen der deutschen Erfolge, zugleich jene Form sei, welche alle anderen Staaten mehr oder weniger energisch anstreben. Als Minimum bezeichnete Schönfeld eine veränderte Pfer­deaufbringung, die Regelung der Kriegsleistungen und der Ergänzungsverhält­nisse sowie vor allem eine Beschränkung des außerhalb des Territorialbezirkes befindlichen Teils der Fußtruppen auf das unerläßliche Mindestmaß. In dem beiliegenden Memoire Über die Schlag Fertigkeit der verschiedenen Heere. Parallelen zwischen unserem und einem Territorialsystem 8) geht Schönfeld noch intensiver auf diese Probleme ein und stellt Deutschland als Vorbild des Territorialsystems dar: In Österreich sei einerseits alles auf eine große Feldarmee und auf überraschen­de Anfangserfolge angelegt, auf der anderen Seite würde zuviel Zeit aufge­wendet, diese Feldarmee auf die Beine zu bringen. Nach Abschluß der Mobili­sierung sei sie am stärksten, verfüge aber über keine ausgebildete Reserve. In Österreich-Ungarn bestünden weder homogene, gleich organisierte Armeekorps, noch Divisionen. Gerade das Territorialsystem werde angesichts der glücklichen Verteilung der Volksstämme in der Monarchie verhindern, daß sich ein Armee­korps ausschließlich aus einem Stamm bilde. Dem Reichskriegsministerium schaffe es selbständige Gehilfen, welche mit einer gleichen Arbeitslast bedacht, die Mobilisierung selbständig und den Landesverhältnissen entsprechend Vorar­beiten und dadurch besser ausbilden können. Überdies würde man viel Geld ersparen, weil Rekrutentransporte und Dislokationswechsel nur in einem we­sentlich geringeren Umfang erforderlich wären. Bylandt vidierte diesen Vortrag am gleichen Tage, an dem er das Memoire über die Neubearbeitung des russischen Kriegsfalles einbeglei­tete (11. März), und erstattete darüber dem Kaiser am 21. März einen Vortrag 9). Der Minister erklärt darin, man sei sich zwar der Übelstände schon bisher bewußt gewesen und habe sie auch wiederholt zur Sprache gebracht, doch kämen sie durch die beiden Memoires in ganz greller Weise zum Ausdruck. Es sei nunmehr unaufschiebbar, mit allem Ernst an die 7) KA Generalstab Res. n. 311 ex 1881; Operationsbüro Fasz. 2 (Orig.), Fasz. 3 (Beilagen); MKSM 69-3/1 ad n. 1701 (Auszug). 8) KA Generalstab Res. n. 311 ex 1881; Operationsbüro Fasz. 2. ») KA KM Präs 76-12/3 n. 1444 (Konz.), 12/4 n. 3602 (Orig.); MKSM 69-3/1 n. 1701 ex 1881 (Auszug). Mitteilungen, Band 27 16

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