Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
HLAVAC, Franz: Die Armeereorganisation der Jahre 1881–1883 in der Donaumonarchie
242 Franz Hlavac Beseitigung der Mängel heranzutreten, solange man noch Hoffnung habe, die Zeit zur Durchführung der Abhilfe zu finden. Die bereits eingeleiteten Arbeiten würden jedoch einige Monate in Anspruch nehmen. * Bereits am 1. Februar 188110) hatte Erzherzog Albrecht in einem Memorandum über die Formation der größeren Heereskörper in der k. k. Armee seine kritische Stellungnahme abgegeben. In einem Überblick seit Königgrätz kritisierte er darin die Einbeziehung nicht voll kriegstüchtiger Truppen in die Operationsarmee und den zu geringen Friedensstand von 40 bis 42 Infanteriedivisionen als Feldarmee. Da für 1881 und 1882 wahrscheinlich kein Krieg zu erwarten sei, möge man die Zeit nützen und die bezüglichen Fragen in einer sorgfältig gewählten, kleinen Kommission gründlich erörtern. Als Grundprinzip wäre festzuhalten, daß die Friedenseinteilung bei der Mobilisierung tunlichst beibehalten und die Landwehrkörper von Anfang an entsprechend ausgenützt würden. Im April 1881 arbeitete Erzherzog Albrecht eine weitere Denkschrift Über Verbesserung unserer Heeresorganisation aus ll). Die einzig ausgiebige Besserung wäre, so führt Albrecht aus, dann zu erzielen, wenn alle Rekruten dem stehenden Heere zugewiesen würden, aus welchem sie nach vollstrecktem achtjährigen Liniendienst in die Landwehr überzutreten hätten. Solange dies nicht möglich sei, bleibe alles andere „Flickwerk“, weil die einheitliche Leitung und die Ausnützung aller Mittel fehle. Eine völlige Territorialisierung, wie sie Generalstabschef und Kriegsminister verlangten, sei wegen der Besetzung Bosniens und wegen der sonstigen Verhältnisse derzeit unmöglich. Es bestehe auch die Gefahr, daß „die Armee (außer der Dynastie das einzige Band der Reichzusammengehörigkeit) binnen weniger Jahre Charakter und Geist verschieden denkender und fühlender Provinzialmilizen annehmen müßte, weil bei uns alle Gegengewichte fehlen, welche dies in anderen Ländern verhindern, wo die Territorialisierung besteht“ 12). Die Sprachschwierigkeiten führten ohnedies immer mehr zu größtenteils nationalen Offizierskorps, die — in permanente Heimatgarnisonen gebannt — naturgemäß den Anschauungen und dem Nationalitätenhader ihrer Heimat zugänglich werden müßten. Trotz zwölfjähriger Bemühungen der Kriegsverwaltung, die Truppen in ihren Ergänzungsbezirken zu dislozieren, seien noch fast zwei Fünftel außer Landes, einige habe man aus Rücksicht auf Geist und Moral wieder aus ihrer Heimat entfernen müssen. Auf das Tempo der Mobilisierung werde sich hieraus kein wesentlicher Einfluß ergeben, viel wichtiger wäre es, mit vollkommen fertigen Heereskörpern ausmarschieren zu können. Trotz der vielen Schwächen „der polyglotten Zusammensetzung der Armee“ war schon von jeher eine Hauptstärke derselben die Möglichkeit, jede Nation ihrer speziellen Eignung gemäß auszunützen. „Einen besseren Jäger als die Tiroler oder 10) KA MKSM Sep. Fasz. 30 (Orig, und Lithographie); KM Präs 45-16/1 ex 1882 (Lithographie). u) KA MKSM Sep. Fasz. 30 (Lithographie); KM Präs 45-16/1 ex 1882. 12) Ebenda.