Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

HLAVAC, Franz: Die Armeereorganisation der Jahre 1881–1883 in der Donaumonarchie

240 Franz Hlavac durch Erzherzog Albrecht mit Vortrag vom 29. Jänner 18814) begutachtet wurde, beruhte politisch auf dem Grundsatz des reinen Maximalfalles, d. i. Macht gegen Macht ohne Rücksicht auf eine Allianz mit Deutschland. In dem Memoire verwies nun der damalige Chef des Generalstabs FML Schönfeld auf die mannigfachen Hindernisse, welche einem „schnelleren und kraftvolleren Aufmarsch und so einer energischen Kriegsführung entgegenstehen“ 5). Als Hauptpunkt bezeichnete Schönfeld den Mangel einer territorialen Gliede­rung der Armee und einer territorialen Ordre de bataille. Manche Korps hätten ihre Anstalten nicht in ihrem Lande, andere setzten sich aus Infanterie aus den verschiedensten Gegenden zusammen, was beim Aufmarsch große Transporte verursache. Weitere Punkte seien die Okkupation von Bosnien und der Herze­gowina, die Art der Pferdezuweisung, die keine Rücksicht auf die Bereiche der Korps nehme und dadurch zahlreiche Transporte bedinge, und die zu geringe Leistungsfähigkeit der Bahnen. Diesem Mangel könne nur durch Schaffung einer leistungsfähigen Feldeisenbahntruppe gesteuert werden. Im Gegensatz zu Erzherzog Albrecht, der auf diese Punkte des Memoires überhaupt nicht einging, setzte sich der Kriegsminister FML Graf Bylandt in dem einbegleitenden Vortrag vom 11. März 1881 wenigstens kurz damit auseinander 6): Er verwies auf die Schwierigkeiten der Beschaffung von Unterkünften, die zum Teil nicht mehr in seiner Kompetenz liege, ferner auf die Kostenfrage. Er aner­kenne auch die Vorteile der territorialen Dislokation, doch halte er jede Ände­rung der Dislokation ohne gleichzeitige Änderung der Ergänzungsverhältnisse für ein „Pallativmittel“, das zwar einige Besserung, aber keine radikale Ab­hilfe verspreche, besonders solange nicht Bosnien, Tirol und Dalmatien mit kompletten Linienregimentern aus anderen Territorien besetzt werden müßten. Wichtig wäre die Beschaffung der Pferde auf dem Requisitionswege, wozu das Kriegsleistungsgesetz erweitert und überhaupt durchgebracht werden müsse. Da bei der bestehenden Organisation und Dislokation der Infanterie und Artil­lerie der Aufmarsch zu langsam erfolge, während sich die Verhältnisse bei den eventuellen Gegnern dauernd verbesserten, könne er die Klagen dieses Memoires nicht ignorieren. Er werde daher ein Komitee mit gründlichen Detailstudien so­wie mit der Ausarbeitung von Anträgen in allen vom Chef des Generalstabes angeregten Fragen betrauen, wobei praktische Lösungen ohne Veränderung des Wehrgesetzes erreicht werden sollten. Über das Ergebnis werde er dem Kaiser berichten. Im Anschluß an das besprochene Elaborat verfaßte Schönfeld eine Auf­marschstudie über den Minimalfall (= Kriegsfall mit Italien und Rußland), die politisch von der Allianz mit Deutschland und militärisch von der Annahme ausging, daß sich das deutsche Reich mit seiner Hauptkraft an der Bekämpfung Rußlands beteilige. 4) KA Generalstab Res. n. 98 ex 1881; Operationsbüro Fasz. 4 (Orig.); MKSM 69-3/1 ad n. 635 ex 1881 (Auszug ohne Memoire). 5) KA Generalstab Res. n. 98 ex 1881; Operationsbüro Fasz. 4. «) KA KM Präs 76-12/1 n. 577 (Konz.), 76-12/4 n. 3602 (Orig.); MKSM 69-3/1 n. 635 ex 1881 (Auszug).

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