Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz
Levante-Konsulate im Vormärz 231 Dardanellen, Marius Xantopulo, im Interesse der Schiffahrt. An Stelle eines Ankergeldes, das von jedem Schiff zu entrichten gewesen wäre, erhielt der Vizekonsul aus den Gebühreneinnahmen der Gesandtschaftskanzlei einen jährlichen Pauschalbetrag von 1400 fl.148 *). Die Ausweitung der Schiffahrt im Schwarzen Meer und die Zunahme des Handels nach Georgien, Armenien und Persien veranlaß ten den Internuntius im Jahre 1829, dem sardinischen Vizekonsul in Trapezunt, Ludwig Ghersi, die Vertretung der österreichischen Interessen anzuvertrauen 14(1). Mit dem Einsetzen der Dampfschiffahrt gewann Trapezunt immer stärker an Bedeutung, besonders die DDSG und der Lloyd konnten einen Großteil des Schwarzmeerverkehres an sich ziehen, obwohl die türkische Regierung ihren Untertanen auf der Strecke Konstantinopel— Trapezunt das Reisen auf ausländischen Dampfern verbot. Ghersi war 1835 zum wirklichen, unbesoldeten Vizekonsul ernannt worden 150), der Platz wurde aber 1844 als wichtig genug betrachtet, um einen besoldeten k. k. Beamten als Vizekonsul einzusetzen. Ghersi wurde mit Dank entlassen und 1845 Demeter Athanascovich, der bereits bei den Konsulaten in Travnik und Gallatz Dienst geleistet hatte, zum besoldeten Vizekonsul in Trapezunt ernannt151). Der Amtsleiter bestellte einen Konsularagenten in Samsun und plante, auch in Erzerum und Sinope Konsularagenten aufzustellen152). Athanascovich wurde aber 1847 nach Saloniki versetzt und Rudolf Gödel zu seinem Nachfolger ernannt; die weitere Ausgestaltung des Konsularbezirkes fällt schon in die Zeit des Handelsministeriums. Nach dreißig Jahren der Planung zeichnete sich auch für Konstantinopel selbst um 1844 eine neue Lösung ab. Der mit der Neugestaltung des Konsularwesens in der Levante beauftragte Hofrat Carl Freiher von Geringer legte in einem Gutachten dar, daß in der türkischen Hauptstadt ein von der Internuntiatur getrenntes Generalkonsulat zur Erfüllung der kommerziellen und administrativen Aufgaben eingerichtet werden sollte, wobei diese Behörde auch als Gerichtshof dritter Instanz und als Zentralbehörde der Levante-Konsulate wirken werde 153). Durch kaiserliche Entschließung vom 10. Jänner 1846 wurde Geringer zum Generalkonsul in Konstantinopel bestellt154), er trat am 20. April 1846 seinen Dienst an 155). Die beiden Hauptaufgaben des Generalkonsuls bestanden vorerst 148) Ebenda 1847/4023. i40) HKA Kommerz 17 1829/89, Juli. 150) FA Präs. 1835/2931. isi) Ebenda 1845/5912. 152) Ebenda 1847/6337. 153) Ebenda 1844/10278. 154) Ebenda 1846/360. iss) HHStA Türkei VIII 22: Bericht 1846 April 22.