Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

Levante-Konsulate im Vormärz 229 der Pforte Genugtuung, die Türken erklärten sich auch zu einer Unter­suchung des Vorfalles bereit, erwiesen sich aber als Meister der Ver­schleppungstaktik und erhoben den berechtigten Einwand, daß die Unter­suchung in ihren Kompetenzbereich falle, da Fetcovich nicht zu den an­erkannten österreichischen Konsuln zählte. Mehrere Monate lagen Schiffe der Levante-Eskader in Larnaca. Mit Zustimmung der Türken konnte sich ein österreichisches Marine-Detachement der Mörder bemächtigen. Nach­dem diese den osmanischen Behörden übergeben worden waren, verlief die Angelegenheit im Sande 130). Auch Kreta besaß für Österreichs Handel geringe Bedeutung, um 1835 erreichte die Einfuhr aus der Monarchie nur den Wert von rund 30.000 fl. pro Jahr 14°). Zwischen 1831 und 1841 wurde der Insel aus militärischen Gründen großer Wert zugemessen, da Mehmed Ali mit dem Flottenstütz­punkt Suda über eine günstige Operationsbasis gegen die Zentren des osmanischen Reiches verfügte. Der Konsularbezirk wurde 1831 dem Gene­ralkonsulat Alexandria untergeordnet* 140 141), nach der Rückkehr der Insel unter die Herrschaft der Pforte im Jahre 1841 wurde Kreta ein Teil des Konsularbezirkes Konstantinopel. Acerbi besuchte 1831 auf der Rückreise von einem Urlaub in Österreich die Insel, um eine Überprüfung der Amtsführung der Konsulate vorzu­nehmen. Gegen den Leiter des Hauptamtes, den provisorischen Vize­konsul Peter Hercullez in K a n e a, war der Vorwurf erhoben worden, er schädige durch leichtsinnige Handelsgeschäfte und Prozesse Österreichs Ansehen. Der Generalkonsul fand die Anschuldigungen gerechtfertigt142), außerdem kritisierte er, daß die Posten der Konsularagenten in Kandia und Rettimo versteigert wurden143). Da für Hercullez kein Ersatz zu finden war, blieb der Vizekonsul im Amt, bis er von Laurin bei dessen Reise nach Kreta im Jahre 1835 als untragbar empfunden wurde. Der Generalkonsul setzte Hercullez ab und ernannte an dessen Stelle August Stiglich, den Kanzler des Vizekonsulates Kairo 144). 183 9 berief Laurin aushilfsweise Stiglich zum Dienst nach Alexandria ein und sandte den Dolmetsch des Generalkonsulates, Anton Stuzzi, als Konsularverweser nach Kanea145). Stiglich kehrte 1840, nach dem Eintreffen von Gödel in Alexandria, wieder nach Kreta zurück, das Gubernium schlug seine Ernennung zum k. k. Beamten vor 146), aber Stiglich blieb weiterhin pro­visorischer Vizekonsul, allerdings mit einem festen Einkommen. 139) Sauer Levante 425 ff. 140) fa Kommerz 5 1836/95, Mai. ui) FA Präs. 1831/1204. 142) HHStA Türkei VIII 4: Bericht 1832 April 25. 143) FA Kommerz 17 1832/53, März. 444) Ebenda 1835/93, Dezember. 145) Ebenda 1839/132, März. we) FA Präs. 1840/2306.

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