Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz
226 Manfred Sauer pflichtungen erwachsen könnten. Der Finanzminister schlug als Möglichkeit der Dekoration die große Zivil-Ehrenmedaille vor, Metternich aber führte eine Entscheidung des Kaisers herbei. Der Staatskanzler zerstreute jegliche Bedenken, Picciotto könnte möglicherweise aus Armut dem Staat zur Last fallen, stellte den Antrag, den Titel Generalkonsul emeritus zu verleihen, und der Monarch stimmte zu. Adelburg brachte 1847 erneut den Antrag ein, ein Mitglied der Familie Picciotto zum Vizekonsul in Aleppo zu ernennen, Stürmer sprach sich wieder dagegen aus 128), aber Elias von Picciotto bekleidete das Amt bis 1860, dann folgte ihm Moses von Picciotto. VII Der Bezirk Albanien erstreckte sich von der österreichischen Grenze bis südlich von Durazzo und war im Landesinneren nicht näher abgegrenzt. Der Wirkungsbereich der beiden Vizekonsulate in Skutari und Durazzo reichte kaum über die Städte hinaus, die beiden Amtsleiter konnten sich aber auch gegen die türkischen Behörden nur schwer durchsetzen. Beide Ämter waren an sich gleichgeordnet, sie unterstanden seit der Einführung der Tonnagegebühr direkt dem Gubernium, aber unter der Leitung Ballarins gewann Skutari allmählich eine führende Stellung innerhalb des Konsularbezirkes. An eine Organisierung wurde im Vormärz nicht gedacht, Tedeschini blieb bis 1851 als provisorischer Vizekonsul im Amt, nach dem Tod von Johann Ballarin übernahm 1840 dessen Sohn Vinzenz Ballarin ebenfalls als provisorischer Vizekonsul das Amt128). Auch die Abgrenzung des Bezirkes Morea blieb bis zum Entstehen des griechischen Staates vage. Neben dem Hauptamt in Patras waren noch Vizekonsuln in Janina, Koron, Missolonghi und Nauplia, sowie Konsularagenten in Prevesa, Arta, Parga, Modon, Navarin, Lepanto und Calamata auf gestellt; viele der Ämter blieben aber aus Mangel an Kandidaten zeitweilig unbesetzt. Nach dem Ausbruch des griechischen Freiheitskampfes konnten die konsularischen Vertreter ihr Amt nur eingeschränkt ausüben, ein Teil zog sich auf die Jonischen Inseln zurück. Der einzige anerkannte Vertreter Österreichs gegenüber den griechischen Behörden blieb bis zum Eintreffen des Gesandten Prokesch im Jahre 1834 der Vizekonsul in Athen, Georg Gropius, der die Insurgentenregierung auch nach Nauplia begleitete. Das bedeutendste Amt im Archipel stellte das Vizekonsulat in S y r a dar, daneben scheinen noch ein Vizekonsulat in Tinos und Konsular- agentien in Naxos, Andros, Micioni, Naussa, Paros, Zea, Thermia und * 129 iss) HHStA Adm. Reg. F 4/258: Elias von Picciotto. 129) FA Kommerz 17 1839/153, September; Präs. 1840/6515.