Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

224 Manfred Sauer Der Internuntius schritt bei der Pforte ein, diese beauftragte den Pascha von Saida mit einer Untersuchung des Vorfalles, drückte aber zugleich die Hoffnung aus, daß Farah nach dem Prozeß abgesetzt werde. Da der Konsularagent ohnehin türkischer Untertan war, wurde das General­konsulat Beirut angewiesen, den Konsularagenten nach der Verhandlung abzusetzen und in Sour vorläufig keinen Nachfolger aufzustellen 119 120 121). Das Vizekonsulat Acre war 1815 Anton Catafago anvertraut worden. Dieser übersiedelte jedoch um 1832 nach Saida, das Amt in Acre blieb in der Folge unbesetzt. Der in Sondermission während des Krieges 1840/ 41 in Syrien weilende Internuntiatur-Beamte Anton von Steindl fand Catafago politisch unzuverlässig und suspendierte ihn vom Dienst. Der Vizekonsul sollte 1841 wieder eingesetzt werden, war aber vorher ver­storben, weshalb Picciotto dessen Sohn Ludwig Catafago provisorisch mit der Führung der Konsulargeschäfte in Acre betraute, ohne ihn aber als Vizekonsul oder Konsularagenten einzusetzen; für Saida wurde Alexan­der Catafago nach dem Tode seines Vaters zum provisorischen Vizekonsul bestellt 12°). Die Pforte erhob 1844 gegen Ludwig Catafago den Vorwurf des Zinswuchers, und der Internuntius wies den Beschuldigten an, sich vor einem Gericht in Acre zu verantworten m), aber Ludwig Catafago wurde auf seinem Posten belassen und erst 1847 abgesetzt122). Alexander Catafago hingegen wurde, obwohl die Hofkammer der Pforte hatte ver­sichern lassen, keiner der beiden Brüder werde zum Vizekonsul er­nannt *23), 1846 zum Vizekonsul in Saida bestellt. Besonders ungünstig wurde in Wien die Lösung für Jerusalem ge­halten. Da Adelburg keinen geeigneten Kandidaten für die Konsular- agentie finden konnte, übertrug er die österreichische Vertretung dem preußischen Konsul; während dieser auf Urlaub weilte, ging die Funktion auf den britischen Konsul über. Da aber eine Vertretung der katholi­schen Großmacht Österreich durch protestantische Mächte gerade in der Heiligen Stadt nicht in Frage kam, forderte Metternich die Hofkammer auf, in Jerusalem einen Österreicher zu ernennen 124), und weil für die unbesoldete Konsularagentie keine geeigneten Bewerber auftraten, setzte sich der Staatskanzler für die Aufstellung eines k. k. Beamten auf diesem Posten ein 125). Dieser Wunsch wurde im Organisierungsplan für Syrien berücksichtigt. 119) FA Präs. 1846/1127, 1992, 6415. 120) HHStA Türkei VIII 16: Bericht 1841 April 14 und Juni 2, Weisung 1841 Juni 15 und August 31; FA Kommerz 11 1841/1271, August und 1844/ 2133—34, Dezember. 121) FA Präs. 1844/4030. 122) FA Kommerz 11 1847/712, April. 123) FA Kommerz 11 1845/443, März. 124) FA Präs. 1845/2487. '25) Breycha-Vauthier Levante 15 f.

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