Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

Levante-Konsulate im Vormärz 223 bestanden, und Eingaben zuerst an Picciotto nach Aleppo geleitet werden mußten, der diese dann nach Beirut weitergab. Um die Geschäftsführung straffer zu gestalten, teilte Adelburg Syrien in zwei Generalkonsulats­bezirke, wobei Aleppo auf das gleichnamige Paschalik mit dem Hafen Alexandrette beschränkt wurde. Picciotto stimmte dieser Regelung zu und ersuchte, ihm den Titel Generalkonsul ehrenhalber zu belassen 116). Auch für das Vizekonsulat Damaskus mußte eine neue Regelung getroffen werden, da sich Merlato nur gegen ein Jahresgehalt von 1000 fl. bereit­erklärte, auf seinen Posten zurückzukehren. Auch ein türkischer Unter­tan, der als Kandidat ins Auge gefaßt wurde, stellte diese Bedingung, doch schien dieser Aufwand für ein Amt, das 1844 nur 48 fl. Gebühren eingebracht hatte, dem Gubernium sinnlos. Dann aber erklärte sich Illel von Picciotto, ein Neffe des Generalkonsuls, der sich in Damaskus niedergelassen hatte, bereit, das Amt unentgeltlich zu übernehmen. Metternich riet, entweder auf Picciotto zurückzugreifen, oder — sollten dem religiöse Gründe entgegenstehen — das Amt unbesetzt zu lassen U7). Da Merlato 1845 nach Tripolis versetzt wurde, ein türkischer Untertan nicht in Frage kam und Picciotto auch nicht annehmbar schien, blieb das Vizekonsulat unbesetzt. Gegen Elias von Picciotto waren in der Zwischenzeit wieder heftige Kla­gen erhoben worden. Einer seiner Verwandten wollte in Aleppo eine Fa­brik für Gold- und Silberdrahtspinnerei errichten und wandte sich an den Internuntius um Unterstützung zur Erlangung einer Lizenz. Die Katholiken von Aleppo, die sich in ihrem Gewerbe bedroht sahen, be­schwerten sich in Rom, und der Apostolische Nuntius intervenierte bei der Staatskanzlei. Daraufhin wies der Internuntius Picciotto an, auf sei­nen Verwandten einzuwirken und einen Verzicht auf die Errichtung der Fabrik zu erreichen. Der Generalkonsul unterzog sich dieser Aufgabe, wies aber auch darauf hin, daß die Gold- und Silberdrahtspinnerei in Aleppo von Angehörigen aller Religionen ausgeübt werde und durchaus kein Vorrecht der Katholiken darstelle, weshalb er nicht einsehe, warum dies seinem Verwandten, der österreichischer Staatsbürger sei, verboten werden sollte. Der Internuntius gewann schließlich 1845 von der ganzen Affäre den Eindruck, die Religion werde als Deckmantel für eine Intrige benutzt, wie dies gegen Picciotto in letzter Zeit häufig vorgekommen sei118). Auch bei den österreichischen Konsulaten mangelte es nicht an uner­freulichen Vorfällen. Der österreichische Konsularagent Far ah in Sour mußte sich gegen einen tätlichen Angriff wehren und nach einem Volks­auflauf in das Gefängnis des Generalkonsulates Beirut gebracht werden. ns) Ebenda 1845/3060; Kommerz 11 1846/300, Februar, ii?) FA Präs. 1845/1578. ns) HHStA Adm. Reg. F 4/258: Elias von Picciotto.

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