Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

222 Manfred Sauer sehe Botschafter die Anerkennung eines Generalkonsuls für ganz Syrien durchsetzte, fertigten die Türken auch für Adelburg die Diplome aus; der Dolmetsch wurde als österreichischer Generalkonsul für Syrien mit dem Recht der Oberaufsicht über die in den Gouvernements von Tripoli, Acre und Aleppo bestehenden österreichischen Konsulate und Vizekon­sulate anerkannt, ergänzend dazu erging ein Wesiralschreiben an den Statthalter von Damaskus, durch welches Adelburg zur Vertretung der Interessen österreichischer Untertanen in diesem Paschalik berechtigt wurde. Die Diplome beider Konsuln, des österreichischen und seines briti­schen Kollegen, enthielten keine Angaben über den Ort ihres Amts­sitzes m). Obwohl Beirut während der ägyptischen Herrschaft einen wirtschaft­lichen Aufschwung erlebt hatte, blieb es für Österreichs Handel und Schiffahrt — wie alle syrischen Häfen — von geringer Bedeutung. Die Pläne zur Neuordnung des Konsularbezirkes und die Wahl des Amts­sitzes entsprangen anderen Motiven: Österreich wollte den Schutz der Maroniten, der übrigen Katholiken und der Pilgerstätten in Syrien ge­währleisten und gegen die zweite katholische Schutzmacht — Frankreich — nicht zu stark ins Hintertreffen geraten. Adelburg hatte seinen Auftrag, sich vorerst einen Überblick zu verschaf­fen, zu wörtlich genommen; 1843 drängte er auf eine Entscheidung über die Organisierung des Konsularbezirkes und ersuchte um Abberufung, falls seine Anwesenheit in Beirut nicht mehr notwendig sein sollte llä). Zur gleichen Zeit regte das Gubernium an, Picciotto bei Gelegenheit der Neuordnung des Dienstes zu entheben113). Der nächste Angriff gegen Picciotto erfolgte aus Syrien: Die Vizekonsuln in Beirut, Saida, Tripoli und Jaffa erklärten Adelburg, lieber ihre Ämter niederlegen zu wollen, als weiter unter Picciotto zu dienen. Aus Wien erging daraufhin die Weisung, bis zur Neuregelung des Konsularbezirkes den Geschäftsver­band der Vizekonsulate mit Picciotto bestehen zu lassen 114). An dieser Entwicklung trug auch Adelburg Schuld, da er keine klaren Kompetenzen für das Generalkonsulat Beirut geschaffen hatte; in der Stadt bestand noch immer ein Vizekonsulat, das seit 1841 von Georg Laurella provisorisch geleitet wurde. Als der Konsulatsverweser 1844 sogar um Besoldung ansuchte 116), löste die Hofkammer das Vizekonsulat auf, da auch im Organisierungsplan Beirut als Sitz des Generalkonsuls für Syrien vorgesehen war. Überdies waren bereits Beschwerden erhoben worden, weil zwei Generalkonsulate mit gleichem Amtsbereich in Syrien * 11 ui) HHStA Türkei VIII 17: Bericht 1841 Dezember 1. 112) FA Präs. 1843/5350. ii») Ebenda 1843/6141. 114) Ebenda 1844/5786. ii») Ebenda 1844/4674.

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