Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

Levante-Konsulate im Vormärz 221 ernannt. Der Internuntius sollte die Zustimmung der Pforte erlangen, wobei keine Schwierigkeiten erwartet wurden, da bereits Konsuln der Westmächte in der Stadt residierten. Dann aber stellte sich heraus, daß die Pforte diese Konsuln nicht anerkannt hatte und daß diese ihr Amt nur mit Zustimmung Mehmed Alis inoffiziell ausübten. Der Vizekönig erklärte sich zur gleichen Vorgangsweise gegenüber Merlato bereit, aber der Kon­sul hatte sein Amt wegen der geringen Einkünfte wieder verlassen. Erst auf nachdrückliche Aufforderung der Hofkammer kehrte Merlato nach Damaskus zurück, mußte während des Krieges 1840/41 die Stadt wieder verlassen, und kehrte nicht mehr auf seinen Posten zurück. 1845 wurde Merlato dann zum Generalagenten in Tripolis d. B. ernannt107). Die Kriegsereignisse und Wirren in Syrien zwischen 1839 und 1841 ließen die Unzulänglichkeit der österreichischen Konsularorganisation in diesem Gebiet überdeutlich erkennen. Die Konsuln hatten sich zum Teil in der kritischen Zeit als politisch nicht zuverlässig oder als zu wenig energisch erwiesen, als Kaufleute besaßen sie überdies wenig Interesse an der Förderung des österreichischen Handels. Der Generalkonsul mit dem Sitz im nordöstlichsten Teil des Landes konnte mit den untergeordneten Ämtern nur schwer Kontakt halten, überdies wurde Picciotto von den meisten Vizekonsuln abgelehnt. Schließlich wurde auch als untragbar ge­funden, daß hauptsächlich Juden die Interessen der katholischen Groß­macht Österreich gegenüber den türkischen Behörden zu vertreten hatten. Diese Gründe bewogen den Internuntius, im Frühjahr 1841 Vorschläge zur Neuordnung des Konsularbezirkes zu unterbreiten. Der Gesandte regte an, wenigstens einen von Handelsverhältnissen und politischer Gunst der Lokalbehörden unabhängigen Generalkonsul zu bestellen; Stürmer schlug als Sitz des Hauptamtes Damaskus vor, Picciotto wollte er ehren­halber auf seinem Posten belassen108). Da Syrien wieder der Pforte unterstand, wurde vorerst das Dienstverhältnis der syrischen Konsulate zum Amt in Alexandria gelöst109), kurz darauf ernannte der Kaiser auf Vorschlag Metternichs durch Entschließung vom 7. August 1841 den Inter­nuntiaturdolmetsch Eduard von Adelburg zum Generalkonsul für ganz Syrien mit dem Amtssitz in Beirut; der neue Generalkonsul sollte sich vorerst einen Überblick über die Landesverhältnisse verschaffen und dann Vorschläge zur Organisierung des Konsularbezirkes unterbrei­ten uo). Die ersten Schwierigkeiten traten auf, als die Pforte Beirut als Amtssitz ablehnte, da sie leitende Konsuln nur für Provinzhauptstädte anerkennen wollte, während in Beirut kein Statthalter residierte. Als aber der briti­107) HHStA Adm. Reg. F 4/214: Caspar Merlato. io®) HHStA Türkei VIII 16: Bericht 1841 April 14. 109) FA Präs. 1841/4088. uo) Ebenda 1841/3976, 5192, 6738.

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