Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz
218 Manfred Sauer Anfang 1846 erkrankte Chabert und war nicht mehr in der Lage, das Amt weiterhin zu leiten. Daraufhin sandte der Internuntius seinen Kanzler Weckbecker nach Smyrna, um eine ordnungsgemäße Geschäftsführung zu gewährleisten. Chabert wollte nach der Besserung seines Zustandes sein Amt wieder antreten, mußte aber nach einem Rückfall in geistige Umnachtung förmlich abgesetzt und nach Konstantinopel gebracht werden; dort setzte er seinem Leben ein Ende. Weckbecker mußte in Smyrna energisch durchgreifen, da ein Kridatar, in dessen Machenschaften ein Teil des Konsulatspersonales verwickelt schien, aus dem Konsulatskerker entwichen war. Der Internuntius sandte einen Experten für Untersuchungen in Betrugsfällen nach Smyrna, die drei Dolmetscher und der erste Kanzlist mußten entlassen werden, einige der Beamten wurden auch verhaftet. Da das Amt außer mit dem Kanzler Stahl nur noch mit zwei Hilfskräften besetzt war, der Internuntius aber Weckbecker in Konstantinopel nicht auf längere Zeit entbehren konnte, wurde der Konsul Mi- hanovich provisorisch aus Saloniki nach Smyrna versetzt und mit der Neuordnung des Amtes betraut°4). Mihanovich wurde durch kaiserliche Entschließung vom 10. Juli 1847 zum Generalkonsul ernannt05), er legte auch noch einen Dienstpostenplan vor, der allerdings erst 1849 durch das Handelsministerium bewilligt wurde °6). VI Der Konsularbezirk Syrien und Karamanien reichte von den Südabhängen des Taurus bis nach Gaza und war im Westen vom Euphrat und der Wüste begrenzt. Im Vergleich zu Ägypten und Kleinasien besaß das Gebiet für Österreichs Handel und Schiffahrt untergeordnete Bedeutung, die Hauptaufgabe der Konsulate lag in der Unterstützung der zahlreichen katholischen und jüdischen Gemeinden, der Pilger und der Klöster im Heiligen Land. Dem Generalkonsulat in Aleppo waren Vizekonsulate und Konsularagentien in Alexandrette, Beirut, Saida, Tripoli d. S., Latakia, Jaffa, Haifa, Acre, Jerusalem, Sour und um 1834 auch eine Konsular- agentie in Tarsus untergeordnet, aber viele dieser Plätze konnten oft längere Zeit nicht besetzt werden, da keine geeigneten Kandidaten vorhanden waren. Das Amt in Aleppo war 1784 dem „livornesischen Juden“ Raphael Picciotto anvertraut worden, der es zuerst als Konsularagent und dann * 95 94) HHStA Adm. Reg. F 4/49: Wilhelm von Chabert; FA Präs. 1846/3797, 4182, 5385; Kommerz 11 1847/250, Februar. 95) FA Präs. 1847/2115 und 6074. »6) Ebenda 10962.