Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

Levante-Konsulate im Vormärz 219 als Generalkonsul für ganz Syrien leitete. Zwischen 1804 und 1815 bestand ein Konsulat für die syrische Küste zwischen Gaza und Latakia mit dem Sitz in Acre, das nach dem Tod des Konsuls Cigovich aufgelassen wurde, wobei dieses Gebiet wieder in den Amtsbereich von Aleppo fiel. Als Raphael von Picciotto 1817 in den Ruhestand trat, übernahm sein Sohn Esdras das Amt, da außer den Vertretern dieser Familie keine öster­reichischen Untertanen in Aleppo ansässig waren, die das mit hohen Un­kosten verbundene Generalkonsulat hätten übernehmen können97). Es­dras von Picciotto fand 1822 bei einem Erdbeben, durch das Aleppo zum Großteil zerstört wurde, den Tod, der Internuntius betraute dessen Bruder Elias provisorisch mit der Geschäftsleitung98 * *); 1824 wurde Elias von Picciotto zum Generalkonsul ernannt"), obwohl der apostolische Nuntius in Wien Einwände gegen die Ernennung vorbrachte. Nachdem Alexandria und Smyrna besoldete Dienstposten geworden wa­ren, ersuchte auch Picciotto um Ernennung zum k. k. Beamten. Die Staatskanzlei und der Internuntius befürworteten dieses Gesuch, aber die Hofkammer lehnte ab. Den Hinweis, daß die Familie Picciotto durch mehr als fünfzig Jahre Österreich treue Dienste geleistet und für die Erhaltung des Amtes von ihrem Privatvermögen zugesetzt habe, ließ die Finanzbehörde nicht gelten; sie wies darauf hin, daß die Familie Picciotto, die zu den reichsten in Syrien zählte, ihr Vermögen unter dem Schutz ihres Amtes erworben habe und überdies vom österreichischen Hof mehr­mals belohnt worden sei 10°). 1837 suchte der Generalkonsul neuerlich um Besoldung an und wies auf die hohen Auslagen hin, welche die Einnahmen bei weitem überstiegen. Das Gubernium überprüfte die Angelegenheit, gelangte aber ebenso wie der Internuntius zu der Ansicht, daß zwar im Falle einer Neuordnung des Bezirkes Syrien in Aleppo ein besoldetes Konsulat errichtet werden könnte, dieses jedoch keinesfalls einem Mitglied der Familie Picciotto übertragen werden sollte. Die Hofkammer schloß sich dieser Ansicht an und lehnte das Gesuch ab 101). Wegen der Einhebung der Gebühren brach 1835 zwischen Picciotto und dem Vizekonsul Laurella aus Beirut ein Streit aus, da sich der unter­geordnete Beamte weigerte, ein Drittel der Amtseinkünfte an das Gene­97) HKA Kommerz 17 1817/43, April; HHStA Türkei VII 8: Bericht 1817 Jänner 10. 98) HHStA Türkei VI 13: Bericht 1822 September 3. ") FA Präs. 1825/678. 19°) Ebenda 1825/6088; mit der Belohnung wird auf die Erhebung in den Ritterstand angespielt; außerdem erhielten die Picciotto beim Amtsantritt Golddosen mit dem Namenszug des Kaisers in Brillanten, die jedoch nur Ge­gengeschenke für arabische Zuchtpferde darstellten. 10>) HHStA Adm. Reg. F 4/258: Elias von Picciotto; Türkei VIII 10: Wei­sung 1837 Juli 10.

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