Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)
SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz
214 Manfred Sauer dem Gesandten in Griechenland, untergeordnet67), eine Regelung, die aus legitimistischen Gründen besonders in Rußland Befremden erregte 68). Obwohl die Konsulate in Syrien dem Generalkonsulat Alexandria nicht untergeordnet worden waren, mußte Laurin gegenüber Mehmed Ali auch die österreichischen Interessen in diesen Provinzen vertreten. Für die Erfüllung der politischen Aufgaben erwiesen sich allerdings die von der Hofkammer angeordneten Sparmaßnahmen als äußerst hinderlich. Der Generalkonsul folgte Mehmed Ali mehrmals nach Oberägypten, reiste 1835 mit dem Vizekönig nach Kreta und besuchte 1836 Syrien. Überdies wurde 1835 der zweite Dolmetsch des Generalkonsulates als Kommissär nach Syrien entsandt, 1836 wurde er mit der ständigen Vertretung der österreichischen Interessen beim Generalgouverneur in Damaskus beauftragt. Die Unkosten, welche die Reisen und die Diätenzahlungen verursachten, trugen Laurin mehrere Verweise der Hofkammer ein, der Generalkonsul ersuchte die Gesandten in Athen und Konstantinopel um Unterstützung, und auf Intervention der Staatskanzlei erklärte sich die Hofkammer bereit, einen Teil der Unkosten zu tragen; der zusätzliche Aufwand mußte aus dem Etat der politischen Behörden bestritten werden 68a). 1838 stellte Laurin den Antrag, einen k. k. Beamten zum Kanzler in Alexandria zu ernennen. Der Posten wurde systemisiert und 1839 mit dem Hofkammerkonzeptspraktikanten Rudolf Gödel besetzt69). Im gleichen Jahr erhielt Cahil die kaiserliche Bestätigung als unbesoldeter Vizekonsul in Damiette, der Internuntius konnte von der Pforte die Anerkennung des bis dahin nicht offiziell bewilligten Amtes erreichen 70). Da das Vizekonsulat Kairo nach 1841 infolge der Aufhebung der ägyptischen Monopole für den Handel wieder an Bedeutung gewann, durfte Champion wieder einen provisorischen Kanzler einstellen71). Auch dem verstärkten Handelszug nach Ostindien trug die österreichische Verwaltung zu dieser Zeit Rechnung, 1844 wurde Nicola Costa zum Konsularagenten in Suez bestellt72). Auch nach dem Rückschlag, den Mehmed Ali 1840/41 hatte hinnehmen müssen, trachteten die Großmächte, ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluß in Ägypten zu verstärken. Mit dem Transithandel, mit der Planung für den Suezkanal, aber auch für den Verkehr mit dem Sudan und 67) FA Präs. 1834/4722; HHStA Ägypten: Instruktionen an Laurin 1834 März 12. 68) HHStA Türkei VI 61: Bericht 1834 Oktober 21. 68a) HHStA Staatskanzlei Griechenland 1: Bericht 1835 März 9 und Mai 5; Türkei VIII 10: Bericht 1837 Jänner 25 und Mai 10; VIII 12: Weisung 1839 April 23; FA Kommerz 17 1836/151, Februar und 76, Mai. e») FA Präs. 1838/6680 und 1839/7282. 70) FA Präs. 1839/2804 und 1840/2050. 71) FA Kommerz 11 1842/1870, November. 72) Ebenda 1844/2296, Dezember.