Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

Levante-Konsulate im Vormärz 215 Äthiopien gewann das Land immer stärkere Bedeutung. Österreich trug dem Rechnung, durch kaiserliche Entschließung vom 26. Mai 1846 wurde im Zuge der Gesamtreform des Konsularwesens in der Levante auch der Konsularbezirk Ägypten reorganisiert73). 1. Amtsbereich: von der libyschen Wüste bis El-Arish und Suez, im Süden bis zu den Katarakten von Syene, einschließlich der von Ägypten beherrschten Gebiete des Sudan; ferner die außerordentliche Beobachtung der türkischen Präsidien in Suakin und Massaua sowie in Dschidda und Mekka, an der arabi­schen Küste und in Abessinien. 2. Untergeordnete Ämter: ein Vizekonsulat in Kairo mit dem Amtsbereich für die Stadt Kairo und das innere Niltal; das Vizekonsulat in Damiette bleibt bestehen, solange Cahil diesen Posten bekleidet, sodann ist zu prüfen, ob das Amt in eine Konsularagentie umgewandelt wird; die Konsularagenten werden wie bisher vom Generalkonsul bestellt, dieser muß dazu aber die Zustimmung der Landesbehörden und der österreichischen Regierung einholen. 3. Personal: Die Stellen des Generalkonsuls, des Vizekonsuls in Kairo sowie des Kanzlers und des 1. Dragomans in Alexandria werden mit k. k. Beamten besetzt; die beiden Konsuln werden vom Kaiser, der Kanzler und der Drago­man von der Hofkammer ernannt; über Aufnahme und Entlassung des Hilfs­personals entscheidet wie bisher der Generalkonsul. Nach 30jähriger Dienstzeit als provisorischer Vizekonsul erhielt Franz Champion durch kaiserliche Entschließung vom 28. November 1846 das Amt in Kairo definitiv verliehen74), 1847 wurde für das Vizekonsulat ein Kanzler mit dem Status eines k. k. Beamten genehmigt75). V Der Konsularbezirk Kleinasien und Anatolien reichte von Kap Baba südlich der Dardanellen bis zum Kap Celidonia an der Küste Kleinasiens gegenüber von Zypern. Dem Generalkonsulat in Smyrna unterstanden Vizekonsulate in Rhodos, Chios, Scala nuova (Kusadasi), Stanchio (Kos), sowie Konsularagentien in Tschesme, Samos, Mytilene, Aivali und Güssel- issar (Aydin), während an der Südküste Kleinasiens keine Vertretungen eingerichtet waren. Die Ämter in den sekundären Handelsplätzen be­saßen geringe Bedeutung, blieben oft längere Zeit unbesetzt oder waren Agenten fremder Mächte anvertraut. Das Generalkonsulat Smyrna galt noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts als das wichtigste Amt in der Levante, trat aber spätestens 1821 hinter Alexandria zurück und verzeichnete erst ab 1835 mit dem Einsetzen der Dampfschiffahrt einen stärkeren Aufschwung. Das Amt war 1812 provi­sorisch mit Marc Anton Bertrand besetzt worden, 1814 wurde Bertrand zum Generalkonsul ernannt, mußte aber entgegen früheren Gebräuchen 73) FA Präs. 1846/4495. 74) Ebenda 1846/9855. 75) Ebenda 1847/5429.

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