Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

Levante-Konsulate im Vormärz 213 suchte zwar durch niedrigere Gehälter und Einsparungen beim Sachauf­wand die Kosten zu verringern, mußte aber mehrmals Wechsel ausstellen oder aus seinen privaten Mitteln den Finanzbedarf der Ämter decken63). Die Einkünfte des Amtes waren auch deshalb gesunken, weil die Toskana ab 1827 eigene Konsulate im osmanischen Reich auf stellte, wobei das Groß­herzogtum trotz einer Intervention der Staatskanzlei Carlo di Rosetti zum Konsul für Ägypten bestellte. Eine der ersten Maßnahmen, die Acerbi zur Neuordnung seines Konsular­bezirkes vorschlug, betraf eine Umbesetzung des Amtes in Damiette, da der Vizekonsul Anton Semene wegen seiner Schulden untragbar schien. Die Vorgesetzten Behörden stimmten der Ernennung des von Acerbi zum Nachfolger Semenes vorgeschlagenen Nikolaus Cahil zu; als aber der Ge­neralkonsul vertrauliche Erkundigungen einzog, ob auch Mehmed Ali den neuen Vizekonsul anerkennen werde, knüpfte der Vizekönig an eine Um­besetzung die Bedingung, daß das Amt einem Europäer anvertraut wer­den müsse. Da außer dem türkischen Untertanen Cahil kein geeigneter Bewerber auf trat, blieb Semene im Amt; allerdings stellte ihm Acerbi einen Kanzler zur Seite 64). Ab 1829 scheint dann Cahil als Vizekonsul in Damiette auf. Trotz aller Versuche Acerbis, die Kosten der Amtsführung zu senken, schienen diese der Hofkammer immer wieder zu hoch. Der Generalkonsul konnte allerdings das untergeordnete Personal nicht geringer besolden, da es ihm sonst von anderen Konsulaten abgeworben worden wäre. Als aber Acerbi 1831 eine Abrechnung über die Jahre 1826 bis 1830 vorlegte, wurde er von der Hofkammer zur Reduzierung der Kanzleikräfte auf­gefordert, überdies wurden ihm Festlichkeiten zum Neujahrstag, ja sogar zum Geburtstag des Kaisers untersagt65). Bereits 1831 hatte Acerbi anläßlich eines Urlaubes in Österreich um seine Rückberufung ins Inland angesucht, nach 1833 ließ sich eine Ablösung nicht mehr hinausschieben, da der Generalkonsul sich während des tür­kisch-ägyptischen Krieges mit Mehmed Ali überworfen hatte66). Da auch die Hofkammer zu einer raschen Umbesetzung riet, wurde mit kaiserli­cher Entschließung vom 18. März 1834 Anton Laurin, der Generalkonsul in Palermo, zum Nachfolger Acerbis bestellt. Der erweiterten Macht­position Mehmed Alis wurde dadurch Rechnung getragen, daß der Amts­bereich auf Ägypten und Kreta ausgedehnt wurde; überdies war der neue Generalkonsul in politischen und diplomatischen Fragen Anton Prokesch, 63) FA Präs. 1828/1347; HHStA Staatskanzlei Diplomatische Korrespondenz mit den Konsulaten, Alexandria 1: Bericht 1828 Jänner 12. 64) FA Präs. 1827/7235, 1828/769 und 3009. 65) FA Kommerz 17 1831/147, November. ««) HHStA Türkei VI 59: Bericht Prokeschs 1833 August 8, Triest; Alexan­dria 1: Bericht 1833 Juli 10.

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