Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

SAUER, Manfred: Zur Reform der österreichischen Levante-Konsulate im Vormärz

200 Manfred Sauer nung lautete dagegen, doch sollten die Konsuln fremde Mächte vertreten dürfen, wenn sie in diesen Diensten keinen höheren Rang als in den österreichischen einnahmen. Zur Unterstützung und zur Überprüfung bei der Amtsführung der Kon­suln hätten in jedem Bezirk jährliche Versammlungen des Handelsstandes stattfinden sollen, wobei auch Deputierte zur ständigen Vertretung der Interessen des Handelsstandes gegenüber dem Konsul zu wählen gewesen wären. Die Abgrenzung des Amtsbereichs der Konsulate betraf nur die Küsten­gebiete und Inseln, das Landesinnere blieb unberücksichtigt: Ägypten: von der Grenze mit Tripolis bis Gaza Syrien: von Gaza bis Latakia Aleppo: von Latakia bis Kap Malo Zypern: die Insel und die Küste von Kap Malo bis Kap Celidonia Rhodos: die Insel, sowie Skarpanto und die Küste von Kap Celidonia bis zur Bucht von Stanchio (Kos) Kreta: die Insel Smyrna: von der Buch von Stanchio bis zum Kap Baba, einschließlich der vor dem Festland liegenden Inseln Dardanellen: von Kap Baba bis zum Monte Santo Saloniki: vom Monte Santo bis zum Golf von Volo Morea: die Halbinsel und die Insel Negroponte (Euböa) Albanien: von Prevesa bis zur österreichischen Grenze Da die Auswahl an Bewerbern im Falle der Besoldung keine großen Schwierigkeiten bereitet hätte, wurden die bereits ernannten Konsuln überprüft. Kramer in Smyrna, Rosetti in Kairo, Picciotto in Aleppo, Paul in Patras, Bertrand in Kreta und Chialli bei den Dardanellen wurden lobend erwähnt, während Scipnar in Zypern nicht geeignet schien; als aussichtsreichster Kandidat für Saloniki, das nach dem Tode von Massol unbesetzt war, wurde der exvenezianische Konsul Joseph Choch vorge- schlagen; das Vizekonsulat Syrien sollte zur Versorgung des ehemaligen venezianischen Konsuls in Alexandria, Stefan Cigovich, neu errichtet wer­den; Schwierigkeiten waren bei der Neuordnung des Bezirkes Albanien zu erwarten, da der übel beleumundete Vizekonsul Soma in Skutari nicht abgesetzt werden konnte, weil er die Gunst des Paschas genoß; sonst wäre das mit Tedeschini besetzte Amt in Durazzo als ausreichend erschienen. Nach 1805 ging die österreichische Schiffahrt auf ein Sechstel ihres vor­herigen Umfanges zurück, nach 1809 hätten nur noch politische Gründe für die Aufstellung besoldeter Konsuln gesprochen 10). Obwohl die öster­10) Aus politischen und militärischen Gründen wurde das Konsulat in Travnik eingerichtet, über dessen Tätigkeit Ivo Andric in Wesire und Konsuln berichtet; vgl. Midhat Samic Istorijski izvori Travnicke Hronike Ive An- drica i njihova umjetnicka transpozicija (Sarajevo 1962); Angelika K a r g 1 Studien zur österreichischen Internuntiatur in Konstantinopel 1802—1818 (phil. Diss. Wien 1973) 77 ff.

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