Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

THOMAS, Christiane: „Moderación del poder“. Zur Entstehung der geheimen Vollmacht für Ferdinand I. 1531

Moderación del poder 111 Vorgehen energischer. Daß der bayerische Gesandte Weissenf elder am 10. Februar in Zwickau zu Verhandlungen über „la manutencion y defensa de la secta luterana y la contradicion de la dicha election mia“ eingetrof­fen war, wußte Ferdinand eine Woche, Karl durch Heinrich von Braun­schweig sogar nur einige Tage später43). Wenn auch die katholisch-luthe- ranisch-schmalkaldischen Kontakte hinsichtlich der Glaubensfrage zu kei­ner Einigung führten, stimmten die Kontrahenten in ihrer Gegnerschaft zu Ferdinands Königtum überein 44): Das altgläubige Bayern ging in die­ser Frage mit den Glaubensfeinden konform. Eck war überzeugt, daß Bayern in diesem Konflikt die entscheidende Rolle spielen würde, nach seiner Haltung würden sich Freunde wie Gegner zu richten haben. Seiner Vermutung, daß Ferdinand „umb Ewer F. G. hoch puelen“ werde 45), kam Karl mit der Mahnung zuvor, Zurückhaltung zu üben und die Entwick­lung heimlich zu beobachten, um eine Zuspitzung auszuschalten 46). Auch zu Philipp von Hessen liefen bayerische Fäden. Eck trat dem Landgrafen gegenüber dafür ein, daß die protestierenden Fürsten die Bildung einer kaiserlichen Kommission verlangen sollten, die die Gründe der Opposi­tion anzuhören hätte 47), schob es aber immer wieder hinaus, einer Einla­dung Philipps zu einer persönlichen Zusammenkunft Folge zu leisten 48). Andererseits trachtete Bayern, mit Zapolya ins Gespräch zu kommen, um den österreichischen Habsburger von allen Seiten einzukreisen. Hier wußte es sich einig mit dem Hessen, dem der gubernator regni Ungarie von Zapolyas Gnaden, Ludovico Gritti, im Januar den Abschluß eines Bünd­nisses angeboten hatte49). Mit aufrichtiger Besorgnis vor eventuellen türkischen Angriffen ist die bayerische Initiative nicht zu motivieren — gen der historischen Kommission für Hessen und Waldeck 24/1, Marburg 1954) 166; Ekkehart Fabian Die Entstehung des Schmalkaldischen Bundes und sei­ner Verfassung 1529—1531/33 (Schriften zur Kirchen- und Rechtsgeschichte 1, Tübingen 1956) 64 spricht von Ende November. 43) Ferdinand an Karl und Karl an Ferdinand wie Anm. 37 (ohne n. 459/3); Hans P u c h t a Die habsburgische Herrschaft in Württemberg 1520—1534 (phil. Diss. München 1967) 58; Politisches Archiv 3 167; Aussagen Braunschweigs über „l’home“ (= Dr. Eck), der mit „ivingliens princes et citéz lutheriens“ an ein Bündnis gegen Ferdinands Wahl denkt: Beilage ad Karl an Ferdinand, 1531 Februar 14 Brüssel: HHStA Belgien PA 5 fol. 10 r. 44) Ferdinand an Karl wie Anm. 37 (ohne n. 459/2). 45) P u c h t a Habsburgische Herrschaft 58. 46) Karl an Ferdinand wie Anm. 37. 47) Christoph von Rommel Geschichte von Hessen dritten Theils zweyte Abtheilung (Cassel 1830) 79. 48) politisches Archiv des Landgrafen Philipps des Großmütigen von Hessen. Inventar der Bestände 2, hg. von Friedrich K ü c h (Publikationen aus den k. preussischen Staatsarchiven 85, Leipzig 1910) 86 f. 49) Winckelmann Schmalkaldischer Bund 85; Jakob Wille Philipp der Großmüthige von Hessen und die Restitution Ulrichs von Wirtemberg 1526— 1535 (Tübingen 1882) 56.

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