Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

THOMAS, Christiane: „Moderación del poder“. Zur Entstehung der geheimen Vollmacht für Ferdinand I. 1531

112 Christiane Thomas dann hätte man Ferdinands Anstrengungen unterstützen können. Zwei­fellos kam es gelegen, den Hetzreden eines Hieronymus Laski Gehör zu schenken, der als Sprachrohr Zapolyas Ferdinand als den Urheber aller Kalamitäten mit den Türken anschwärzte. Auch Gritti stimmte in das Ge­schrei ein, daß der habsburgisch-ungarische König die „causa tantorum malorum“ sei und für alle mißlichen Geschehnisse die Verantwortung tra­ge. Natürlich unterstrich er dabei seine eigenen Bemühungen, den Sultan von einem Einmarsch in Ungarn abzuhalten. Solche Anwürfe von seiten Zapolyas sind verständlich, ging es ihm doch um die Behauptung seines von Ferdinand bedrängten und von den Tür­ken geduldeten Königtums. Der königliche Gegner mit seinem „hoch- mued“, nicht auf Ungarn zu verzichten, wurde zum ländergierigen Ehr­geizling abgestempelt, dessen Verhalten die Türken geradezu zum Angriff reizen mußte. Deutschen Fürsten wie Bayern und Hessen klang es ange­nehm und den eigenen Befürchtungen entsprechend, wenn den Sultan an­geblich die habsburgische Machtkonzentration beunruhigte 50) — hieß es doch auch in der Relation Nicolo Tiepolos, daß dies im Reich Unbehagen schaffe51). Welche Aspekte, Ferdinand zu demütigen, boten sich seinen bayerischen Verwandten, wenn diese die Anregung der Trias Zapolya, Gritti und Laski aufgriffen, als nächste Nachbarn Ferdinand zur Aufgabe Ungarns zu bewegen. Eine tüchtige Portion Schmeichelei für das Selbst­bewußtsein der Herzoge wurde hier mit leicht zu widerlegenden Drohun­gen gemischt: Dem Sultan liege ohnehin an einem Frieden mit Deutsch­land, aber der „muetwillig“ Kriege verursachende Habsburger müsse ge­straft werden. Konkret verlautete von national-ungarischer Seite, daß dessen Hartnäckigkeit das Verderben der deutschen Herren bedeute, die um ihren Besitz zittern müßten, aber durch die Intervention Zapolyas ge­rettet werden könnten, wenn sie dem Kampf in Ungarn keine Unterstüt­zung gewähren würden. Ja, man verstieg sich zu dem kühnen Gedanken einer Allianz Bayerns mit Böhmen, Mähren und Schlesien gegen den ver­haßten Rivalen 52). Die bayerische Seite sparte zunächst nicht mit Mahnungen an Johann, die Türken nicht gegen Deutschland aufzubringen, um nicht zu riskieren, daß die Türkenhilfe des Reichs sich gegen ihn richte, beeilte sich aber, Zapolya zu versichern, daß man ihn vor Ferdinands Belagerung von Ofen gewarnt so) Karl August M u f f a t (Hg.) Correspondenzen und Aktenstücke zur Ge­schichte der politischen Verhältnisse der Herzoge Wilhelm und Ludwig von Bayern zu König Johann von Ungarn (Quellen und Erörterungen zur bayeri­schen und deutschen Geschichte 4, München 1857) 91 f, Ulf. 51) Relazioni degli ambasciatori Veneti al Senato ... edite da Eugenio A1- b é r i 1/1 (Firenze 1839) 130. 52) Muff at Correspondenzen und Aktenstücke 114 f; Winckelmann Schmalkaldischer Bund 84.

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