Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27. (1974)

THOMAS, Christiane: „Moderación del poder“. Zur Entstehung der geheimen Vollmacht für Ferdinand I. 1531

110 Christiane Thomas dadurch verhindert wurde, daß die feindlichen Zielsetzungen zu divergie­rend waren. Das, was Ferdinand hievon wußte, wog schwer genug, um eine ernste Klage zu rechtfertigen. Selbstverständlich war es ihm ver­wehrt, über jeden Schachzug informiert zu sein. Bis zum 4. März, dem Tag, an dem er endlich den Empfang aller Papiere bestätigen konnte36), wur­den zudem weitere bedeutsame Schritte der Opponierenden gesetzt, bzw. knapp danach in die Wege geleitet, die Ferdinands Unruhe nur vermeh­ren mußten. In den Briefen beider Brüder klingt vor allem das in mehrfacher Hinsicht belastete Verhältnis zu Bayern an 37 * *). Jahrelang gespeicherter Groll brach nun mit der geglückten Wahl des Habsburgers als letzter auslösender Ur­sache los. Weder war es den Wittelsbachern bisher gelungen, die an Maximilian I. verlorenen Gebiete zurückzugewinnen3S), noch hatte ihre böhmische Kandidatur Erfolg gehabt. Die Hoffnungen auf das römische Königtum waren schon 1528 durch die Aussöhnung Karls mit dem bis da­hin bayernfreundlichen Clemens ins Wanken geraten 3B), und während des Augsburger Reichstags war mit einer päpstlich-bayerischen Koalition nicht mehr zu rechnen. Während Karl und Ferdinand die Augsburger Monate nützten, um die Kurfürsten mit Hilfe fuggerischen Kapitals auf ihre Seite zu ziehen, wurden Wilhelms Bemühungen um oberdeutsche Geldgeber nicht intensiv genug betrieben, so daß Pölnitz urteilt, Bayern lebte in Un­kenntnis der „modernen finanzpolitischen Methoden“ 40). Den Herzogen völlige Untätigkeit vorzuwerfen, ist jedoch übertrieben: Sie versuchten, eine Vertrauensbasis mit dem einen Kurfürsten herzustellen, der nicht in die komplizierten geldlichen Transaktionen einbezogen war, mit Johann von Sachsen, der sich nach Januar 1531 auf diese freundschaftlich-vertrau­lichen Besprechungen als Anknüpfungspunkt für eine engere Bindung berief41). Schon im Dezember 1530 hielt der bayerische Kanzler Eck den Zeitpunkt für geeignet, mit Kursachsen und Hessen Front gegen die „dro­hende“ Wahl zu machen42), nach dem Stichtag des 5. Januar wurde sein 36) Ferdinand an Karl, 1531 März 4 Linz: FK 54 n. 461/5. a?) Karl an Ferdinand, 1531 Februar 14 Brüssel: FK 41 f n. 458/2; Ferdinand an Karl, 1531 Februar 17 Linz: FK 45 n. 459/2, 3. Walther Peter Fuchs Baiern und Habsburg 1534—1536 in Archiv für Reformationsgeschichte 41 (1948) 2: „Überall standen die Habsburger den Baiern im Weg.“ 38) Hans Martin Klinkenberg Der Linzer Vertrag zwischen Bayern und Österreich vom 11. September 1534 nach Münchner Akten in HZ 194 (1962) 572. 39) Heinrich Lutz Karl V. und Bayern. Umrisse einer Entscheidung in Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 22 (1959) 22. 40) Pölnitz Fugger und Königswahl 335, 341. 41) Johann an Weissenfeider, 1531 März 8 Torgau: Staatsarchiv Dresden Loc. 10.672 (Schriften zwischen Sachsen, Bayern und Hessen König Ferdinandi Wahl betr. anno 1531) fol. 20 r, 22 r. 42) Politisches Archiv des Landgrafen Philipps des Großmütigen von Hessen. Inventar der Bestände 3, bearb. von Walter Heinemeyer (Veröffentlichun­

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