Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Rezensionen 481 Habsburger ja zuerst gegen die Priester, aber auch gegen die übrigen An­hänger der Böhmischen Brüder (Brüderunität), und ihre Rekatholisie- rungsbestrebungen führten, seitdem der Jesuitenorden allmächtig zu wer­den begann, zu einer derartigen Diskriminierung der protestantischen Stände, daß diese aus reinen Selbsterhaltungsgründen gezwungen waren, Kontakt und Unterstützung bei den ihnen verwandten Religionsgemein­schaften im Ausland zu suchen, wobei sich die Beziehungen zu Luthera­nern und Philippisten allmählich lockerten und die zum Kalvinismus festigten. H. konnte noch vor dem Zweiten Weltkrieg drei Studienreisen in die Schweiz machen, wo er in Basel die für seine Zwecke wichtigsten Stücke fand. Daneben wertete er aber auch die Archive von Brünn, Leitmeritz, Troppau, Breslau, Paris, Wien (Haus-, Hof- und Staatsarchiv) und München aus. Die vorliegende Edition enthält eine Sammlung von 290 Briefen tschechischer Persönlichkeiten, die von 1573 bis 1630 zum Teil auf protestantischen Universitäten und anderen Lehranstalten Westeuro­pas studierten, beziehungsweise sogar als Lehrer wirkten. Während man bisher in der Hauptsache nur die Namen der Studenten und die Dauer ihres Studiums kannte, bietet die vorliegende Dokumentation wert­vollste Informationen auch über ihre Lebensschicksale, ihre Bemühungen, Hoffnungen, Sehnsüchte und Enttäuschungen, Erfolge und Mißerfolge im Ausland, die natürlich nicht ohne — oft tiefgreifende — Einflüsse auf ihr Denken und ihre späteren politischen Tendenzen blieben. Die Schrei­ben sind vorzugsweise in lateinischer Sprache (sogar mit griechischen Brocken), aber auch französisch und deutsch abgefaßt und informieren über schweizerische (Basel, Genf, Zürich), deutsche (Straßburg, Heidelberg, Wittenberg, Zerbst), aber auch über englische (Cambridge), italienische (Padua), französische (Orléans) und im heutigen Polen gelegene Schulen (Breslau, Brieg) sowie über Reisen durch die genannten Länder und durch Schottland, die Niederlande etc. Auch Verbindungen tschechischer Aristo­kraten mit den Höfen von London und Heidelberg wurden angeknüpft. Wertvoll sind ferner verschiedene Berichte über den regen Verkehr nicht nur mit den Professoren an den evangelischen Schulen des Westens (Théo­dore de Béze, einem Mitarbeiter Calvins, Johann Jakob Grynaeus, Kas­par Waser, Justus Lipsius, Frangois Hotman, Philipp Glaser, Johannes Sturm, Simon Sulzer), sondern auch mit hervorragenden Repräsentanten des politischen, religiösen und kulturellen Lebens im damaligen Abend­land (Philippe de Mornay, Seigneur du Plessis-Marly, den man zu seiner Zeit den „Papst der Hugenotten“ nannte, Georg Erasmus Tschernembl, Joachim Camerarius, Hubert Languetus, dem Leibarzt der französischen Könige Guillaume Aragosius, dem Leibarzt Ferdinands I. und Maximili­ans II. Johann Crato von Kraftheim, Andreas Dudith, Bischof von Fünf- kirchen, Philip Sidney, Volrad von Plessen), mit den Herzogen von Brieg, mit Moritz von Oranien usw., sowie die Bemerkungen über das Wirken des Amand Polanus aus Troppau und des Jan Arnos Komensky. Sehr häu­fig scheint der bedeutende Karl von Zerotin auf: am Rand auch flüchtig der Mann, dessen Schwester Zerotins dritte Frau wurde, Albrecht von Wallenstein. Die wie alle tschechischen Publikationen nach 1945 mit be­merkenswerter Akribie gearbeitete und mit einem hervorragenden An­Mitteilungen, Band 26 31

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