Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

480 Literaturberichte Verhandlungen der Kommissare mit den Ständen und deren Deputierten. Es enthält nicht die Verhandlungen innerhalb der ständischen Gremien und der Gremien untereinander. Die Fassung ist dicht konzentriert, die Kenntnis der Akten wird offen­bar vorausgesetzt. Hornung hat die Schrift als echtes nicht mehr über­arbeitetes Protokoll zur Ergänzung seiner laufenden Berichterstattung an den Kaiserhof abgefaßt, sie ist noch in Augsburg entstanden. Wie sie nach Trier gelangte, kann nur vage vermutet werden. Die Akten im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv bilden auch in der Kommentierung eine not­wendige Ergänzung zu diesem Protokoll, das in deutscher Sprache abge­faßt ist. Im Anhang gibt Kohler den Text der lateinischen Denkschrift des Reichsvizekanzlers Georg Sigmund Seid für den Augsburger Reichstag wieder, die noch einmal die Gesichtspunkte Karls V. über die Reichsange­legenheiten, namentlich die Religionssachen, entwickelt. Das Dokument beweist die innigste Vertrautheit Selds mit den Motiven des Kaisers. Es liegt in den Reichstagsakten der Reichskanzlei im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. In der Einleitung gibt K. ein ausführliches Persönlichkeits­bild Selds als eines humanistisch gebildeten Katholiken und zeichnet sein Verhältnis zu den übrigen Räten. Die Edition ist wissenschaftlich vorbildlich gestaltet; für die Kommen­tierung wurden in weitem Ausmaß neben dem Wiener auch die Archive in Brüssel, Koblenz, Luxemburg und Rom herangezogen. Sollten einmal die Herausgeber der Deutschen Reichstagsakten zum Jahre 1555 gelangen, wird dieses Werk eine wichtige Vorstudie darstellen. Schon heute handelt es sich um eine wertvolle quellenmäßige Ergänzung zu Lutz’ Hauptwerk, der Christianitas afflicta. Rudolf Neck (Wien) Frantisek Hruby, Etudiants tchéques aux écoles protestantes de l’Europe occidentale ä la fin du 16e et au début du 17e siede. Documents, préparés pour l’édition par Libuse Urbánková-Hrubá. Préface par Bedfich S i n d e 1 á f. (Opera Universitatis Purkynianae Brunensis, Facultas Philo­sophica. Spisy University J. E. Purkyné v Brné 152). Universita Jana Evan- gelisty Purkyné v Brné 1970. 447 S. mit Abb. Der bekannte tschechische Historiker der Universität Brünn Frantisek Hruby hat sich vor allem um die Geschichte seines Landes während des 17. Jahrhunderts verdient gemacht. Er starb 1943 im Alter von 56 Jahren unter Hinterlassung wertvoller Materialien zur Aufhellung kulturge­schichtlicher und soziologischer Details der ihm so vertrauten Zeit, die nun von seiner Tochter Libuse Urbánková-Hrubá unter Mitwirkung seines Schülers Bedfich Sindelár, der das Vorwort verfaßte, ediert wurden. H.s Interesse galt den Verbindungen des protestantischen Adels der böhmischen Krone mit den Zentren der nichtkatholischen Kultur West­europas, das heißt also mit den evangelischen Universitäten, mit Luthe­ranern, Philippisten (Melanchthonianern) und vor allem mit den Kalvini­sten und seinem Aufenthalt in deren Hauptwirkungsstätten. Schon vor dem Ende des 16. Jahrhunderts wendeten sich die sendungsbewußten

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