Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

MIKOLETZKY, Lorenz: Siebenter Internationaler Archivkongreß Moskau 1972

Archivkongreß Moskau 461 varén stellt große Probleme dar. Nichtsdestoweniger werden z. B. in Frankreich versuchsweise einzelne Gruppen für diese Tätigkeit indivi­duell ausgebildet. An dieses in Kurzform vorgebrachte Referat — alle Hauptreferate gingen vor Kongreßbeginn den Teilnehmern zum Studium auf dem Post­weg zu — schloß sich der offizielle Diskussionsteil an, wobei schon nomi­nierte Redner zum Thema Stellung nahmen; danach folgte dann eine all­gemeine Diskussion mit Beiträgen aus dem immer voll besetzten Audi­torium. Diese Vorgangsweise wurde in allen Sitzungen so gehandhabt. Wie allgemein bemerkbar, war ein Großteil der Diskussionsbeiträge von ho­hem Niveau, ein kleinerer Teil aber war dadurch gekennzeichnet, daß den Rednern der Inhalt der Referate überhaupt fremd war, sodaß deren Bei­träge als nicht immer fruchtbringend angesehen werden konnten. Der Nachmittag des ersten Tages war mit Komiteesitzungen ausgefüllt. Der nächste Arbeitstag begann mit dem Vortrag von J. Rhoads (USA). Er sprach über Neue Technik in den Archiven, wobei eine inter­essante Zusammenfassung einer Umfrage zu diesem Thema geboten wur­de. Der Bogen der befragten, aber nicht immer ausgewerteten Länder, wie sehr gut am Beispiel Österreich feststellbar war, das auch geantwortet hatte, reichte von Argentinien über Ghana, Großbritannien und Schweden bis nach den USA, der Fragenkomplex von der Organisation und Admini­stration der einzelnen Archive über Restaurierung bis zu den Inventaren und Publikationen. Am Nachmittag wurde die Sektionsarbeit mit dem Bericht von Frau N. B. Volkova (UdSSR) über Literatur- und Kunstarchive aufgenom­men. Es war hier eine Spezialistin von hohem Format gewählt worden, ist doch Frau Volkova Direktorin des Zentralen Staatlichen Literatur- und Kunstarchivs ihres Landes. Die Referentin behandelte dabei die gro­ßen Probleme, die die Aufbewahrung von Literatur- und Kunst-Doku­mentationsgut in Archiven mit sich bringen, aber auch die Schwierigkei­ten der Bewahrung und Ausstellung dieser Objekte in Aufbewahrungs­stätten, die keine Archive sind (z. B. Goethe-Haus in Frankfurt, Tolstoi- Museum in Moskau). Jedoch existieren gesonderte Archive für diese Schätze bisher nur in den UdSSR. Dadurch ist in diesem Land die Mög­lichkeit der genauen Kontrolle aller Organisationen gegeben, die sich mit den Fragen der Literatur oder der Kunst beschäftigen, und eine Abliefe­rung der Akten ist gesichert. Publikationen und Inventare über die Lite­ratur- und Kunstbestände einzelner Archive existieren hingegen auch dort, wo das Archivgut auch andere Materien umfaßt. Über Archive der Architektur äußerte sich der Kustos der Abteilung Karten und Pläne im französischen Nationalarchiv M. Le Moel. Auch hier lag das Ergebnis einer Umfrage vor, wobei die Fragen von den „Archivquellen der Architektur“ über „Privatarchive der Architekten“ zur „Aufbewahrung und Auswertung“ reichten. Österreichs Antworten wurden hier berücksichtigt, jedoch spielt der Komplex „Architekturarchi­ve“ in unserem Land nicht eine so bedeutende Rolle wie in anderen Ländern, wo eine gesonderte Untersuchung dieses Problems betrieben wird.

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