Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
BROUCEK, Peter: Kronprinz Rudolf und k. u. k. Oberstleutnant im Generalstab Steininger. Eine kleine Ergänzung zur Mitis-Biographie
444 Peter Broucek nannt III.) Steininger, der nach seiner Ausbildung zum Truppen-, dann zum Generalstabsoffizier mit 1. November 1880 unter Beförderung zum Major im Generalstab und gleichzeitiger Ernennung zum Flügeladjutanten des Kaisers den Posten als Militärbevollmächtigter bei der k. u. k. Botschaft in Berlin antrat8). Nicht nur seine Vorgesetzten, insbesondere der Chef des Generalstabes Feldzeugmeister Beck-Rzikowsky, fällten über seine damalige Tätigkeit, seine Beobachtungsgabe, seine Berichterstattung, sowie sein Verhalten in mehreren Krisensituationen ein überaus günstiges Urteil9). Auch spätere Historiker, die einer Beurteilung seines Wirkens nähertraten, betonen sein treffliches Urteil und seine Qualitäten als rechten Mannes am rechten Platz 10 *). An diesen Mann schrieb der Kronprinz den in der Folge abgedruckten Brief. Der Sohn des Kaisers hatte sich im März 1887 in Berlin zur Feier des neunzigsten Geburtstages Kaiser Wilhelms I. aufgehalten und dabei unter anderem auch mit Bismarck und dem deutschen Generalstabschef Waldersee Gespräche geführt u). Sowohl aus diesem Jahr als auch aus den folgenden Monaten sind genügend Urteile Rudolfs bekannt, die in die gleiche Richtung wie das folgende Schreiben weisen, was die Person des Prinzen Wilhelm betrifft12). Der Brief dürfte aber die Ansichten des Erzherzogs in besonders markanter Weise zusammenfassen. Er ist wohl 8) Vgl. Alexander Duschnitz-S. F. Hoffmann Der Oberste Kriegsherr und sein Stab (Wien 1908) Generalität 22: Karl (III.) Steininger (16. Mai 1847 Triest—25. Februar 1929 Graz), trat 1865 als Kadett in das IR 11 ein, nahm am Feldzug der Nordarmee 1866 als Leutnant teil, 1871/73 Kriegsschule, 1. November 1876 Hauptmann im Generalstab, 1. November 1880 Major und Militärbevollmächtigter, 1. November 1885 Oberstleutnant und 1. November 1888 Oberst im Generalstab, 28. April 1894 Generalmajor, 2. Oktober 1895 Kommandant der 27. Infanteriebrigade, 7. Februar 1898 Kommandant der 11. Infanterietruppen- division, 11. März 1900 Kommandant der 32. Infanterietruppendivision, 11. April 1905 Kommandant des 5. Korps und kommandierender General in Preßburg, 29. März 1909 aus Gesundheitsrücksichten enthoben, 1. Juli 1909 pensioniert. 9) KA Qualifikationslisten 2839, Qualifikationsliste Steininger, Beurteilung durch Feldzeugmeister Beck 1887: „Hat heuer unter schwierigen Verhältnissen vorzüglich entsprochen, ein hervorragender, verwendbarer Offizier“. 1891: „Hat in Berlin eine besonders günstige Stellung, ist über militärische und Personal- Verhältnisse der deutschen Armee vorzüglich informiert und ist seine Bericht- Erstattung sehr erschöpfend ...“. 10) Vgl. Eduard Wertheimer Ein k. u. k. Militürattaché über das politische Leben in Berlin (1880—1895) in Preußische Jahrbücher 201 (1925) 264— 282; Ernst Rutkowski General Skobelev, die Krise des Jahres 1882 und die Anfänge der militärischen Vereinbarungen zwischen Österreich-Ungarn und Deutschland in Ostdeutsche Wissenschaft 10 (1963) 81—151, bes. 106, 136, 138 ff. n) Zum Verhältnis zwischen beiden Staaten um diese Zeit vgl. zuletzt Walter Wagner Kaiser Franz Joseph und das Deutsche Reich von 1871 bis 1914 (phil. Diss. Wien 1950) und die dort zitierte Literatur. 12) Vgl. etwa Julius S z e p s (Hg.) Kronprinz Rudolf. Politische Briefe an einen Freund 1882—1889 (Wien—München—Leipzig 1922) 160, 164; Mitis Kronprinz Rudolf 135.