Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

BROUCEK, Peter: Kronprinz Rudolf und k. u. k. Oberstleutnant im Generalstab Steininger. Eine kleine Ergänzung zur Mitis-Biographie

Kronprinz Rudolf und Obstlt. Steininger 445 auch ein Beispiel für die ihn peinigenden Angstzustände um die Zukunft der Monarchie, die schließlich zu seinem psychischen und physischen Zu­sammenbruch wesentlich beitrugen. Gleichzeitig unterstreicht der Brief nochmals Rudolfs Beziehungen zur Wiener Halbwelt. Steininger antwor­tete am 19. April 1887, wobei er in den einleitenden drei nicht publizierten Absätzen seines Antwortschreibens seiner Freude über die Zusendung der Fotografie des Kronprinzen Ausdruck gab. Ferner meinte er, daß der Erzherzog nunmehr bereits die Antworten des deutschen Kronprinzen­paares auf seine Schreiben erhalten haben werde. Er fährt fort, daß er sich über einen vielleicht bereits abgegangenen Brief des Prinzen Wilhelm noch erkundigen werde und leitet damit zu den nunmehr zur Gänze ab­gedruckten Passagen seines Briefes über. Weder im Nachlaß des Kron­prinzen noch im Depot Steininger haben sich weitere Briefe oder Spuren über die Beziehungen zwischen den beiden Männern erhalten 1S). * * * Kronprinz Rudolf von Österreich an k. u. k. Oberstleutnant des Gene­ralstabs Karl Steininger über Äußerungen des Prinzen Wilhelm von Preu­ßen. 14 Seiten, eigenhändig. Kriegsarchiv, Nachlaßsammlung, Depot Bianchi (B/708, Nr. 5). Wien, 9. April 1887 Lieber Steininger! Verzeihen Sie, wenn ich Ihnen die versprochene Photographie so lange nicht schickte, doch von Berlin aus kam ich nur für einige Stunden hierher, mußte dann nach Budapest und fuhr von dort nach Abbazia, wo ich 8 sehr an­genehme Tage in der herrlichen Luft zubrachte und meinen langweiligen Hu­sten gleich verlor. Seit Palmsonntag bin ich hier und wartete mit der Über­sendung des Bildes, da ich Ihnen zugleich auch einige Dinge schreiben wollte; entschuldigen Sie die nicht sehr gut ausgefallene Unterschrift, doch die Photo­graphie ist dermaßen fett, daß die Tinte gar nicht angreifen wollte; es ist das letzte Bild, welches von mir auf genommen wurde und zwar zur Vervielfälti­gung, als Heliogravur im Geographischen Institut. Aus Abbazia schrieb ich Prinz Wilhelm, um ihm für all’ seine Liebenswür­digkeiten während meines Aufenthaltes in Berlin zu danken; ferner sandte ich der Prinzessin Victoria, Tochter des Kronprinzen, für sie und ihre Schwestern einige versprochene Photographien und fügte einige Zeilen bei; dem Kron­prinz schrieb ich auf Wunsch des ungarischen Handelsministers >) mit Geneh­migung S. M. des Kaisers in Angelegenheit unseres Handelsvertrages mit Ru­mänien. * i) ls) Wohl aber wurde Steininger für die Stellung eines Erziehers des Erz­herzogs Karl Franz Joseph, des späteren Kaisers, in Aussicht genommen. Stei­ninger verfaßte daraufhin ein im Nachlaß erhaltenes Memorandum über die von ihm vertretenen Grundsätze, trat aber die Stellung dann nicht an: KA Nachlaßsammlung B/708 n. 5. i) 1887 war ungarischer Handelsminister: Paul Graf Széchényi von Sárvár und Felső-Vidék (6. November 1838 Ödenburg—28. Oktober 1901 Budapest).

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