Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

BROUCEK, Peter: Kronprinz Rudolf und k. u. k. Oberstleutnant im Generalstab Steininger. Eine kleine Ergänzung zur Mitis-Biographie

Kronprinz Rudolf und Obstlt. Steininger 443 Rudolf-Spezialist fühlt sich hiezu auch mangels eingehenden Literatur- und Quellenstudiums zu wenig kompetent. Wohl aber dürften einige An­gaben über den oben genannten Briefempfänger den Leser interessieren. Steininger entstammte einer am Beginn des achtzehnten Jahrhunderts im Rheinland ansässigen kurfürstlich-mainzischen Beamtenfamilie* 4). Der Urgroßvater, für den geistlichen Beruf bestimmt, entwich aus dem Priester­seminar und trat in die kaiserliche Armee ein. Oftmals verwundet und einmal in Gefangenschaft, mußte er als Hauptmann seinen Abschied neh­men. In den drei nachfolgenden Generationen befand sich jeweils ein her­vorragender General unter der Kinderschar. Da war zunächst Karl (ge­nannt I.) Steininger, zuletzt als Feldmarschalleutnant Stadt- und Festungs­kommandant von Venedig5). Dessen Sohn Karl (genannt II.) nahm als Generalstabsoffizier verschiedene wichtige Posten ein, bis er als kom­mandierender General im Banat und Feldzeugmeister ad honores pen­sioniert wurde6). Der in seinem Nachlaß erhaltene Briefwechsel7) sowie das im großen und ganzen erfolgreiche Wirken während seiner Dienst­laufbahn zeugen von seiner Bedeutung. Dessen Sohn nun war Karl (ge­rich 1968); Einleitung zum Werk Mitis’ (Neuauflage 1971) von Adam Wand- r u s k a Das nur halb gelöste Rätsel 7—30 und Einlageblatt; eine Neuauflage des Essays von Emil F r a n z e 1 Kronprinzen-Mythos und Mayerling-Legenden (Wien—München 1963) ist für 1973 angekündigt. Für einige Passagen des Briefes kann das Studium des Aufsatzes von Walter Hummelberger Maria Caspar und Josef Bratfisch. Biographische Notizen in Jahrbuch des Vereins für Geschich­te der Stadt Wien 19/20 (1963/64) 277—291 Erläuterungen bieten. Eine bisher gänzlich unbeachtet gebliebene nützliche Dissertation sei noch erwähnt: Friedrich Egger-Fabritius Kronprinz Erzherzog Rudolf von Österreich als Journa­list und Schriftsteller (Wien 1954). Neuestens auch: Lavender Cassels (d. i. L. Goddard-Wilson) Clash of generations. A Habsburg family drama in the 19th century (London 1973). 4) Erika B i a n c h i Geschichte der Familie Steininger (4 S. Maschinschrift o. J.) in KA Nachlaßsammlung B/708 n. 1; Stammbaum ebenda. 5) Neben der Familiengeschichte (wie Anm. 4) vgl. Johann S v o b o d a Die Theresianische Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt und ihre Zöglinge 1 (Wien 1894) 228: Karl (I.) Steininger (17. August 1772 Netschetin/Böhmen — 5. Oktober 1841 Orláth), 1790 aus der Theresianischen Militärakademie zu In­fanterieregiment (= IR) 47 ausgemustert, 1. Februar 1806 Oberst und General­adjutant bei der Armee in Deutschland, 15. Februar 1809 Generalmajor, Gene­raladjutant bei Erzherzog Carl, bei Aspern verwundet, 1814 Brigadier in Pest, 1826 Feldmarschalleutnant und Divisionär in Klagenfurt, 1835 Geheimer Rat, Festungs- und Stadtkommandant von Venedig. 6) Vgl. auch Constant von Wurzbach Biographisches Lexikon des Kai­serthums Oesterreich 38 (Wien 1879) 99 f: Karl (II.) Steininger (28. Dezember 1804 Wien—26. Januar 1867 Wien), 1. März 1821 Fähnrich im IR 9, 1841 Major im IR 26, zeichnete sich 1848/49 als Kommandant des Grenz-IR 3 in Italien aus, 1849 Generalmajor, 1858/59 als Feldmarschalleutnant Chef des Präsidialbüros beim Armee-Oberkommando, ab 8. September 1859 Gendarmerie-General- Inspektor, 1865/66 Kommandierender General im Banat, 12. November 1866 pensioniert. 25. Juni 1851 Ritterstand, 2. Dezember 1859 Freiherrnstand. 7) KA Nachlaßsammlung B/708, n. 4.

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