Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
MIKOLETZKY, Lorenz: Vom Kaiserspital zum Klein-Mariazellerhof. 125 Jahre Hofkammerarchivgebäude
436 Lorenz Mikoletzky Vor Allem fand er zu bemerken, daß sich auf dem oben angedeuteten Bauplatze kein solches Lokale in Einer Etage gewinnen lasse, wie das Hofkammer-Archiv im Hofspitals-Gebäude am Ballplatze gegenwärtig benützt, und daß auch keiner andern Baustelle ein solches Lokale wird erbaut werden, sobald auf derselben Baustelle auch für andere Dikasterien gesorgt, mithin der Neubau mehrere Stockwerke hoch werden soll; daher das Archiv, sobald es aus seinen gegenwärtigen Amtslokalitäten dislozirt wird, wohl nie mehr so konzentrirt in Eine Etage untergebracht werden wird. Der Plan 1 enthält das Projekt auf der im hohen Erlasse Eurer Excellenz angeordneten Baustelle, mit den Grundrissen vom Keller, vom ebenerdigen und lten Geschoße. Die Grundrisse für den 2. 3. und 4. Stock wurden nicht gezeichnet, weil selbe in der Hauptstruktur eben so seyn würden, wie jener vom 1. Stocke. Der Plan 2 zeigt den Durchschnitt von dem projektirten Neubaue nach der Linie A. B. und die Ansicht des rechten Hoftraktes. In diesem Projekte ist beantragt, nicht nur den Keller und das ebenerdige Geschoß, sondern auch alle übrigen 4 Stockwerke zu wölben. Diese Bauart läßt aber eine größere, zweckdienliche Trakttiefe, so wie auch eine mehrere Höhe der Geschoße aus Rücksichten für die Festigkeit nicht leicht zu. Der Flächen- und der kubische Raum, welcher durch diesen Neubau gewonnen wird, ist in dem Vorausmaße 3, dann der Flächen- und der kubische Raum, welcher für Stellagen zur Aufstellung von Büchern und Faszikeln gewonnen wird, in dem Vorausmaße 4 nachgewiesen. Nach diesem Projekte werden im Mariazellerhofe 107 □ Klafter und im St. Annagebäude 53/ □ Klafter, also im Ganzen 160% □ Klafter Grund erbaut. Die Bauführung im Mariazellerhofe wird nach den itzigen kurrenten Preisen auf 47.000 f. und die Bauführung im St. Anna-Gebäude auf.. .23.000 f. CMze; also die ganze Bauführung auf... 70.000 f CMze zu stehen kommen. Soll dieser Bau geführt werden, so ist wegen des Baues für die Unterkunft folgender Dikasterien zu sorgen: a) für die Akten Depots der Gefällen-Buchhaltung, welche itzt in dem zum Umbaue angedeuteten Trakte des Mariazellerhofes zu ebner Erde nach den lithographischen Plänen die Piecen No. 87, 88, 89 und 91 hiezu benützen 2 *); b) für den Verschleiß der Druckartikeln aus der Staatsdruckerei, welchem in demselben Trakte zu ebener Erde die Piecen No. 81 und 82, dann im 1. Stocke No. 150, 151, 152, 158, 159, 160, 161, 163, 164, 165 und 166 hiezu eingeräumt sind; c) für einen Theil des Akten-Depots von der Posthofbuchhaltung, welchem durch den projektirten Umbau zu ebener Erde die Piecen No. 94 und 106 genommen würden; d) für die französische und bairische Liquidirungs-Commission, welche gegenwärtig in dem erwähnten Trakte im 1. Stocke die Piecen No. 149, 153, 154, 155, 156 und 157 benützt 8); e) von den dem Departement des Herrn Hofrathes Ritters v. Ottenfeld zugewiesenen Lokalitäten würde das Kämmerchen 168 wegfallen 4); 2) Die Gefällenbuchhaltung verzeichnete die Einnahmen des Staates aus Gebühren, Regalien und indirekten Steuern. s) Die französische und bairische Liquidirungs-Commission befaßte sich mit den Forderungen österreichischer Untertanen, von Privaten, Organisationen und Gemeinden sowie der Untertanen anderer alliierter Mächte aus den Tagen der Napoleonischen Kriege an Frankreich und Bayern. Erst 1847 erfolgte die Kommissionsauflösung. 4) Joseph Ritter Otto von Ottenfeld war Wirklicher Hofrat der K. K. allgemeinen Hofkammer.