Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

MIKOLETZKY, Lorenz: Vom Kaiserspital zum Klein-Mariazellerhof. 125 Jahre Hofkammerarchivgebäude

Hofkammerarchivgebäude 431 güteradministration dieses Landes in Verwaltung genommen. Zum Teil wurden Wohnparteien, zum Teil Ämter untergebracht. In den Anna- gassentrakt zog 1783 die Hofrechenkammer ein, die dem heutigen Rech­nungshof entspricht, der hier noch immer seinen Sitz hat. In einem Stock­werk wurde die Architekturschule der Akademie der bildenen Künste untergebracht10). An eben dieser Abteilung wirkte der spätere Hofbaurat Wilhelm Paul Eduard Sprenger (1798—1854) als Lehrer, der zum Schöpfer des neuen Hofkammerarchivgebäudes werden sollte. Am 5. Februar 1842 richtete Kaiser Ferdinand I. an den Hofkammer­präsidenten Carl Friedrich Freiherrn von Kübeck zwei Schreiben. Das erste hatte folgenden Wortlaut: „Lieber Freyherr von Kübek! Ich theile Ihnen im Anschlüsse ein von dem Architekten Ortner verfaßtes Projekt mit, wornach auf dem Ballplatze der Stadt Wien ein Gebäude aufgeführt und dasselbe zur Unterbringung der die Familiengüter verwaltenden Central-Behörden verwendet werden soll. Diesem Projekte liegt auch eine Äusserung Meines Fondsgüter-Direktors vom 26. Jän­ner 1842 bey. Da Sie mit dem Aufträge betheilt sind, Mir wegen zwekmässiger Ver­wendung der Aerarial-Gebäude und sonstiger Plätze zur Unterbringung der verschiedenen in Wien vorhandenen Hof- und Staats-Behörden und Anstalten einen umfassenden Plan auszuarbeiten und Meiner Schlußfassung vorzulegen, so werden Sie hierbey auf das vorliegende Projekt, so weit es sich als brauch­bar darstellt, den geeigneten Bedacht nehmen. Wien ...“ u). Der zweite Brief mit gleichem Datum betraf folgendes: „ .. Ich theile Ihnen im Anschlüsse einen Vortrag Meines Oberstkämmerers, dann noch einen späteren Vortrag Meines geheimen Haus- Hof- und Staats­kanzlers mit, in welchen die ungünstige Lage geschildert wird, worin sich das Haus- Hof- und Staats-Archiv in Absicht auf seine Amts-Lokalitäten befindet. Da dießfalls eine Abhülfe dringend gewünscht wird, so werden Sie bey der Ausarbeitung des umfassenden Planes, nach welchem künftig die verschiedenen in Wien befindlichen Hof- und Staatsämter und Anstalten zweckmäßig unter­gebracht werden sollen, auf die in obigen Vorträgen bemerkten Verhältnisse die geeignete Rücksicht nehmen und Mir hiernach die entsprechenden Anträge zu Schlußfassung vorlegen. Wien ...“ * 12). Ist bei den im ersten Brief erwähnten Plänen von einer Platzschaffung für das Hofkammerarchiv die Rede, so geht das zweite Schreiben, ein Dekret an den Vorsteher der Dikasterial-Gebäude-Direktion, Johann Adolph Hanke Edlen von Hankenberg, mehr ins Detail, wenn es dort heißt: „Es wäre der Fall möglich, daß das auf dem Ballhausplatze im Hofspitals­10) Ebenda 92 f. Karl G i n h a r t Die gotische Bildnerei in Wien in Ge­schichte der bildenden Kunst in Wien (Geschichte der Stadt Wien NR 7/1, Wien 1970) 43; Helmuth T e s a r Das Haus des Rechnungshofes in 200 Jahre Rech­nungshof. Festschrift zum zweihundertjährigen Bestand der obersten staatlichen Kontrollbehörde Österreichs (Wien 1961) 97 f. u) Finanzarchiv Wien, Präsidium (künftig FA Präs.) 916/1842 fol. 2 f. 12) FA Präs. 917/1842 fol. 3.

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