Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
BENNA, Anna Hedwig: Zum AEIOV Friedrichs III. Auslegungen des 15. Jahrhunderts
Zum AEIOV Friedrichs III. 421 [4] Australis electus imperabit orbi universo. [5] Avarus, emulus iustitie, oppressor universorum. [6] Antechristi precursor, errorum destructor, Judeorum defensor, omnium monetarum falsificator, universorum dissimulator. [7] Als ertrich ist Österreich untertan. [8] Auffugit electissimus imperator orribiles Ungaros. [9] Aller erst in Österreich Ungerischs. [10] En, amor electis, iniustis ordinor ultor, sic ego Fridericus rex regna mea regno. Kayser Fridreich, helff dir Got, du hast geliden vil spot, hoff zu Got und achts gering, villeicht verkert sich gar urbering.“ Die spürbare Aktualität in der Aufzählung der von Mathias Corvinus besetzten und dem Kaiser noch verbliebenen österreichischen Städte läßt vermuten, daß diese Notizen sehr bald nach dem Tode König Mathias’, der in Wien 1490 starb, aber noch zu Lebzeiten Friedrichs III. entstanden sind. Ihr Verfasser zeigte sich nicht nur in aktuellen politischen Fragen versiert, er wußte auch Bescheid über die „liberey“ König Ladislaus, jene Fünfbuchstaben „ADCIP“, die auf dem von den beiden Nürnberger Goldschmieden Hieronymus Holper und Seitz Herdegen gestochenen Siegel des jungen Königs von Ungarn und Böhmen Vorkommen 29); eine Erzählung von den Segensworten Nikolaus V. für den zwölfjährigen König und deren Auslegung sind aus anderen Quellen bekannt30). Die Auslegung „Ama Deum, clerum, iustitiam et pacem“ ist in einer Handschrift des Stiftes Melk (Cod. Mellic, 378) bezeugt31). Einige der von ihm dargebotenen Auslegungen der Fünf vokale Friedrichs gehören zweifellos zu den ältesten bis zur Erlangung des Kaisertums entstandenen Interpretationen von dessen „liberey“. Die beiden auf die ungarische Herrschaft in Österreich und deren Ende bezüglichen stammten zweifellos aus jüngster Zeit. Zu den ältesten, quellenmäßig bestens belegten Interpretationen der Fünf vokale gehört ohne Zweifel n. 10, die mit leichten textlichen Abweichungen, der Zeit vor und nach der Erhebung Friedrichs zum römischen König entsprechend, überliefert wurde. Sie findet sich als eigenhändige Notiz Friedrichs unter den Fünfvokalen mit Schlinge „En, amor electis, iniustis ordinor ultor, sic Fridericus ego mea iura rego“ in einer heute im Britischen Museum (Hs. Add. 24.071) befindlichen astronomischen Handschrift mit dem Schluß vermerk (17. März 1438) eines Georg Prunner von Unterrußbach32), in der gleichen Fassung aber mit einer kleinen Text29) Sava Siegel der österreichischen Regenten 142 Fig. 83, 84; Heinrich Kohlhaussen Nürnberger Goldschmiedekunst des Mittelalters und der Dürerzeit (Berlin 1968) 74, 75 n. 133, Abb. 120; L h o t s k y Aufsätze und Vorträge 2 188. 3») J. Andreas Schmeller Bayerisches Wörterbuch 1 (Stuttgart 1827) 1413 f;Lhotsky Aufsätze und Vorträge 2 188. 31) Ebenda Anm. 78; vgl. auch die von Richard Perger Die Herkunft des Reliefs aus einer verschollenen Wiener Hauskapelle in ÖZKD 26 (1972) Abb. 33 a entdeckte Inschrifttafel mit der „liberey“ des Königs Ladislaus. 32) Johann B. von Schlager Ein merkwürdiges Manuskript einer Privat-