Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
BENNA, Anna Hedwig: Zum AEIOV Friedrichs III. Auslegungen des 15. Jahrhunderts
422 Anna Hedwig Benna Verschlechterung in der Sammlung von fünfzehn Gelegenheitsgedichten des Nikolaus Pettschacher 33) für seine Znaimer Freunde „En, amor electis, iniustis ordinat ultor, sic Fridericus ego mea iura rego 34), ferner in einer aus dem dritten Drittel des 15. Jahrhunderts stammenden Chronik, deren unbekannter Autor diese „liberey“ des Kaisers auf einer köstlichen „almar“, d. h. einem Kastenmöbel35), „En, amor electis, iniustis ordinor ultor, sic Fridericus ego rex mea iura rego, das ist teutsch so vil geredt: sehet, ich pin geordnet lieb den erwelten und recher den ungerechten, also regier ich, kunig Fridrich meine recht“ 36), sah. Die Wendung „Fridericus ego mea iura rego“ weist zweifellos auf die Zeit vor Friedrichs Erhebung zum römischen König hin. Im Notizbuch des Kaisers kommt die Sentenz, heute trotz Rasur wieder lesbar, in der Fassung, „En, amor ellectis, iniustis ordinor ultor, sic Fridericus ego mea rengna rego“ vor 37). Diese Fassung überlieferte auch Auslegung 10 in Hs. Bl. 658. Man könnte diese Sentenz, von der angenommen wurde, daß sie in ihrer Formulierung nicht von Friedrich, dessen Lateinkenntnisse gar nicht so schlecht waren 38), sondern von Pettschacher, in dessen Sammlung sie Aufnahme gefunden hatte, stammte39), durchaus als eine Devise40 41), als einen Wahlspruch im modernen Sinn, auffassen, der sehr wohl der Haltung des Kaisers gegenüber dem Recht und der Durchsetzung seiner eigenen Rechtsansprüche aber auch seiner Regierungsprinzipien gegenüber seinen Reichen entsprach 4t). Sammlung in Wien in Archiv für Statistik, Literatur und Kunst 19 (1828) 309; Lhotsky Aufsätze und Vorträge 2 181 f. Aus dem gleichen Jahr wie der Schlußvermerk des Georg Prunner (Britisches Museum Hs. Add. 24.071) stammt die bis jetzt älteste, datierte und eigenhändige Eintragung der Fünfvokale durch Friedrich III. auf dem Sonnenquadranten mit Monduhr (Kunsthistorisches Museum Wien); vgl. Lhotsky in JbKS NF 13 72 Abb. 67. 33) Zu Nikolaus Pettschacher vgl. Johann H u e m e r Historische Gedichte aus dem XV. Jahrhundert. Nicolaus Pettschacher in MIÖG 16 (1895) 635, 648; Lhotsky Aufsätze und Vorträge 2 183. — J. Siebmacher Großes und allgemeines Wappenhuch IV/4/1 (Nürnberg 1909) 343, 357 verzeichnet ein aus Krain nach Österreich eingewandertes Geschlecht Pöttschach. 34) Huemer in MIÖG 16 648; Lhotsky Aufsätze und Vorträge 2 183. 35) Leopold Schmidt Die Volkskultur der romanischen Epoche in Österreich in Mitteilungen des Kremser Stadtarchivs 4 (1964) 46 f. 3,i) L h o t s k y in MÖStA Erg. 1 541; dsbe Aufsätze und Vorträge 2 192. S7) Ebenda 181, 216 n. 61. 3S) Alphons Lhotsky Zur Frühgeschichte der Wiener Hofbibliothek in MIÖG 59 (1951) 355 Anm. 85. 39) Vgl. oben Anm. 34. 40) Devise im Sinne des Mittelalters bezeichnete ein Ordenszeichen. Vgl. Statuten des von Herzog Albrecht V. von Österreich gegründeten Adlerordens (JbKS 1 Reg. 39, 1433 April 2: „...ist ain klainat ainer divis und gesellschafft erdacht... so ist die divis ain klainat von Silber oder von golt gemacht...“). 41) Zu Friedrichs III. Haltung gegenüber Recht und Gerechtigkeit vgl. Fritz Kern Recht und Verfassung im Mittelalter in HZ 120 (1919) 1 f; Emst Bock