Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)
WACHA, Georg: Die Korrespondenz des Kremsmünsterer Abtes Alexander a Lacu mit den bayerischen Herzogen
Alexander a Lacu 193 Noch einer Gabe Abt Alexanders wäre hier abschließend zu gedenken: In den letzten erhaltenen Schreiben dieses Briefwechsels kündigt er als Widmungen Artischocken aus dem eigenen Garten an (Brief n. 19). Abt Alexander konnte den sonnigen Süden nicht vergessen. Der bedeutende Bauherr legte auch einen Garten mit „wälschen bäumen“ an, in dem Orangen- und Feigenbäume standen106), in den Rechnungsbüchern erscheint 1610 auch der Posten „Vmb ain lott Samb zue den grossen Arti- schokhen 1 lb 4 ß“ 107). Er war sicher sehr stolz darauf, daß ihm die Kultivierung dieser Pflanzen in dem rauheren Klima nördlich der Alpen geglückt war, und wollte auch dem bayerischen Herzog etwas davon zukommen lassen. In der Korrespondenz ist nirgends davon die Rede, daß der begeisterte Kunstsammler Herzog Maximilian irgendwelche Wünsche in dieser Richtung geäußert hätte. Den Abt von Mondsee ersuchte der Wittelsbacher 1608, ihm „unser lieben Frauen Bildniss vom Albrecht Dürers Hand gemalen“ zu überlassen und bestätigte am 20. Oktober 1608 den Empfang des Bildes, vielleicht des in der Augsburger Galerie befindlichen Brustbildes Maria mit der Nelke 108). Nur ein Schreiben nimmt Bezug auf eine Schenkung des bayerischen Herzogshauses: Ein Begleitbrief vom 12. April 1605 erwähnt einen „schlechten Schreibtisch“, der dem Abt „zu einem Angedenk- hen“ zugeschickt wird. Wahrscheinlich war Herzog Maximilian der Absender, doch ließe sich auch Herzog Wilhelm V. als Spender vermuten. Das Schreiben erwähnt keine andere Angelegenheit, die sonst zwischen Herzog Maximilian und Abt Alexander behandelt wurde (Brief n. 8). Ein Dank aus Kremsmünster ist nicht nachweisbar, vielleicht wurde er in dem (nicht erhaltenen) zweiten Schreiben vom 16. Mai zum Ausdruck gebracht, das den vertraulichen Angelegenheiten gewidmet war. Man wird hinter dem „schlechten Schreibtisch“ eine hervorragende Arbeit des bayerischen Kunstgewerbes vermuten müssen, vielleicht nicht so prunkvoll wie die Kunstschreine, die sich Herzog Maximilian selbst herstellen ließ109), doch immerhin von beachtlicher Qualität. Erst kürzlich wurde der Nachweis erbracht, daß im Land ob der Enns das Tischlerhandwerk an los) Theophilus Dorn Abriß der Baugeschichte Kremsmünsters in Heimatgaue 18 (1931) 32. n>7) Pösinger Kunst- und Handwerk 90 n. 1026. 108) Ignaz Zibermayr St. Wolfgang am Abersee. Seine Legende und ihr Einfluß auf die österreichische Kunst (Horn 21961) 79 und Anm. 2 weist darauf hin, daß die Briefe nur aus der Registratur der vom aufgehobenen Kloster Mondsee nach Linz übersandten Akten bekannt sind. Er beruft sich auf Franz von R e b e r Kurfürst Maximilian I. von Bayern als Gemäldesammler (München 1892) 17. loo) Denkmale und Erinnerungen des Hauses Wittelsbach im Bayerischen Nationalmuseum (Katalog des Bayerischen Nationalmuseums 11: Wittelsbacen- sia, München 1909) 52 f nn. 533 und 534. Mitteilungen, Band 26 13