Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 26. (1973)

WACHA, Georg: Die Korrespondenz des Kremsmünsterer Abtes Alexander a Lacu mit den bayerischen Herzogen

194 Georg Wacha der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert eine Blüte erreichte no). Auch in Kremsmünster war ein Tischler tätig, der beispielsweise für Kiesi einen Schreibtisch herstellte. In den Rechnungen heißt es: „Maister Oswaldt Par- zer, Tischler alhie, hat Herrn Glesl Bischoffen zu Wien, ainen Prieff Cassten mit 51 Schubladen gemacht 33 fl.“ m). Die hohe Zahlung spricht dafür, daß es sich auch dabei um ein hervorragendes Stück gehandelt ha­ben muß. VI Aus der Natur der Sache heraus war es seit jeher das Bemühen, die Nachrichten von Gesandten und diplomatischen Vertretern verschlüsselt zu senden, um zu verhindern, daß die jeweils andere Seite davon Kennt­nis erhielt. In Venedig sind seit 1411, in Florenz seit 1414 derartige Bräuche nachweisbar. Oft chiffrierte man nur Schlüsselworte, da sonst zu leicht ein Dechiffrieren möglich war. Auch dafür gab es schon seit dem Ende des Mittelalters Experten 1!2). In Österreich erreichte die Kunst, fremde Zif­fernschlüssel aufzudecken, zur Zeit Metternichs einen Höhepunkt; neben der Geheimen Ziffernkanzlei stand das Ziffernkabinett der Staatskanzlei, das für die Verwahrung und Benützung des zum Verkehr mit den eige­nen Missionen entworfenen Ziffernschlüssels zuständig war m). Daß auch in der Gegenwart mit allen Hilfsmitteln moderner Technik an diesen Auf­gaben von hochbezahlten Spezialisten gearbeitet wird, sei am Rande er­wähnt. Es gab seit dem Mittelalter die verschiedensten Verfahren der Geheim­schrift U4). Bei der ersten Gruppe blieb man bei Verwendung normaler Schrift, behielt auch entweder die Buchstaben des Klartextes bei und ver­änderte nur deren Anordnung oder ersetzte bestimmte Buchstaben (Vo­kale durch folgende Konsonanten, alle Buchstaben durch die jeweils im Alphabet folgenden oder vorangehenden), eventuell sogar alle Buchstaben (Umkehrung des Alphabets oder ähnliches); bei der zweiten Gruppe ver­no) Brigitte (Wied-)Heinzl Der Ruinen- und Rollwerkstil in Ober­österreich Ende des 16. Jahrhunderts in alte und moderne kunst 16, Heft 119 (Nov./Dez. 1971) 18 ff; vgl. auch Georg Wacha Kunst in Linz um 1600 in Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1967 (1967) 37, wo bereits auf die Arbeiten von Kaspar Krapf hingewiesen wurde. nt) Pösinger Kunst und Handwerk 82 n. 945. In dem Schreibkasten könnten drei Reihen zu siebzehn Laden gewesen sein. n2) Donald E. Queller The office of ambassador in the middle ages (Princeton 1967) 147 f. ns) Josef Karl M a y r Metternichs geheimer Brief dienst. Postlogen und Postkurse (Inventare des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchives V/3, Wien 1935) 27 ff; Franz S t i x Zur Geschichte und Organisation der Wiener Geheimen Ziffernkanzlei (von ihren Anfängen bis zum Jahre 1848) in MIÖG 51 (1937) 131—160. nt) Bernhard Bischoff Übersicht über die nichtdiplomatischen Geheim­schriften des Mittelalters in MIÖG 62 (1954) 1 ff.

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