Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive

Das Archivwesen der Länder 69 Da der Landesarchivar Dr. Krakowitzer aber nicht bis zur Rückkehr Zahns vom Urlaub warten konnte, so wertvoll nach seiner Meinung die persönliche Unterweisung durch den Schöpfer des Steiermärkischen Landesarchivs gewesen wäre, reiste er bereits Ende Juli nach Graz und fand dort seitens der Adjunkten Theodor Unger und Dr. Anton Mell jede Unterstützung, weshalb der oberösterreichische Landesausschuß den steirischen Ausschuß ersuchte, den bei­den Herren den Dank auszusprechen. Am 31. Juli erstattete der oberösterrei­chische Landesarchivar seinem Landesausschuß über seine Reise nach Graz einen ausführlichen Bericht: Nach Lobesworten über dieses mustergültige Institut wird über die räum­liche Unterbringung berichtet, dann über die Aufbewahrung und Bearbeitung der Urkunden. „Die Aufbewahrung der Urkunden ist dem Centralarchive des Deutsch-Ordens in Wien entlehnt.“ Diese Aufbewahrungsart vereinige die Sicherheit mit leichter Benützbarkeit und ermögliche rasches Finden und Aus­heben. Ausführlich werden die von Zahn eingeführten Urkundenkästen beschrieben. Ganz ausgezeichnet findet Krakowitzer die Aufbewahrung der Archivalien in Schubern anstatt der herkömmlichen Verschnürung. Besser wä­ren allerdings noch die im neuen Statthaltereiarchiv in Wien in Gebrauch be­findlichen Kartons, doch seien sie für Oberösterreich zu teuer. Auch das Nieder­österreichische Landesarchiv in Wien verwahre seine Archivalien in festen Kartons. „Die Aufbewahrung der Akten des Oberösterreichischen Landesarchivs in Schubern, wie in Graz, muß unbedingt empfohlen werden. Es wird hiebei die Beschädigung der Akten durch das Verschnüren mit Stricken vermieden, somit das archivalische Material mehr geschont.“ Die Aufstellung in Schuber­form sei die beste und billigste. Weiters werden die anderen Einrichtungen des Archivs dargelegt, ebenfalls der Personalstand. Nach gründlichem Studium der Einrichtungen des „musterhaften“ Landesarchivs in Graz machte Krakowitzer den Vorschlag, für die Aufstellung und Verwahrung der Urkunden Archivkä­sten nach Grazer Muster anzufertigen, zur Aufbewahrung von Urkunden größeren Formates einen eigenen sperrbaren Urkundenkasten mit breiten La­den anzuschaffen und zur Aufstellung der Akten des landschaftlichen Archivs das Schubersystem von Graz zu übernehmen. Anschließend wird die weitere Einrichtung des Oberösterreichischen Landesarchivs vorgeschlagen. Der oberösterreichische Landesausschuß genehmigte diese Vorschläge mit Sitzungsbeschluß vom 12. August 1896 und beauftragte Krakowitzer mit der Durchführung derselben. Schließlich wurde dieser am 20. August 1896 vom Landesausschuß über sein Ansuchen von seiner bisherigen Dienstleistung als Registrator enthoben und dem neuen Landesarchiv zugewiesen. Den ober­österreichischen Städten, Kommunen, Familien und Korporationen wurde mit Erlaß vom 16. September 1896 nahegelegt, nach steirischem Vorbild ihre Archive dem Landesarchiv in Verwahrung zu geben 68). Während für Oberösterreich das steirische Vorbild allein maßgebend war, ist dies bei den anderen Ländern nicht so exakt nachweisbar, wenn auch gesagt werden muß, daß der Bestand des Steiermärkischen Landes­archivs zur Gründung solcher Archive auch in den anderen Ländern an­geregt haben dürfte. Bereits 1859 und wieder 1860 hatte Dr. E. A. Costa «8) Bericht des obderennsischen Landesausschusses über die Reorganisie­rung des landschaftlichen Archives und die Errichtung eines oberösterreichi­schen Landesarchives, Anhang zu A. Czerny Das neue Landesarchiv in Linz und seine Ausgestaltung in der Zukunft in Mitteilungen der dritten (Archiv-) Section 4 (1899) 60 ff, der Bericht 115 ff.

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