Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive

70 Fritz Posch beim Historischen Verein für Krain den Antrag auf Schaffung eines Krai- ner Landesarchivs gestellt, worauf sich der Krainische Landesausschuß damit beschäftigte und 1870 die alte Registratur übernahm. Später erwarb der Landesausschuß verschiedene andere Archivalien. 1887 wurde das ständische Archiv und das Vizedomarchiv aus dem Landhaus in das Museum übertragen und 1888 wurden die Schriften und Sammlungen des Historischen Vereins übernommen. Weitere Erwerbungen folgten *»). Im Jahre 1900 kam der Kustos Professor Müllner aus Laibach nach Graz, um die innere Organisation des Steiermärkischen Landesarchivs behufs Anwendung derselben auf das neuzuschaffende krainische Landesarchiv kennenzulernen 70), Die Er­werbungen von Archivgut durch den krainischen Landesausschuß wurden in den folgenden Jahren weitergeführt. Das vom Landesausschuß verwaltete Ar­chiv wird zwar immer wieder als Landesarchiv bezeichnet, doch war es kein solches im eigentlichen Sinne, da die wissenschaftliche Organisierung noch nicht durchgeführt wurde. Gut unterrichtet sind wir über die Entstehung des Kärntner Lan­desarchivs, das durch die Zusammenlegung des Landschaftsarchivs mit dem Archiv des Geschichtsvereines entstand. Bis 1904 war das Geschichtsvereinsarchiv die einzige derartige Anstalt in Kärnten, die fachgemäß verwaltet wurde. Der Plan zur Errichtung eines Lan­desarchivs im Jahre 1876 scheiterte an den fehlenden Mitteln. Der für die Lan­desgeschichte wichtigste Archivkörper, die Registratur der Landschaft, war der Forschung noch verschlossen. Erst 1899 wurde der Archivar des Geschichts­vereins, August v. Jaksch, mit deren Neuaufstellung betraut. 1903 stellte die Direktion des Geschichtsvereins mit dem Hinweis darauf, daß andere Länder sich bereits seit langem organisierter Landesarchive erfreuten, an den Landes­ausschuß das Ansuchen um Übernahme des Vereinsarchivars in den Landes­dienst. Am 30. Oktober 1903 beschloß daraufhin der Kärntner Landtag auf Antrag des Landesausschusses, Landesarchivar Dr. Jaksch mit 1. Jänner 1904 in den Dienst des Landes zu übernehmen, wodurch die landschaftliche Registra­tur den Charakter eines Landesarchivs erhielt und den Kern für ein Landes­archiv im weiteren Sinne bilden konnte. 1906 wurde auch der größte Teil (zwei Drittel) des Geschichtsvereinsarchivs im Landesarchiv aufgestellt, nachdem schon 1900 die Direktion des Geschichtsvereins den Landesausschuß vergeblich er­sucht hatte, das Vereinsarchiv in das Landhaus zu übernehmen und räumlich mit dem Landschaftsarchiv zu vereinigen, „wodurch in Wahrheit ein Landes­archiv geschaffen würde.“ Da es kein staatliches Archiv in Kärnten gab, wurden in der Folge auch Archivalien von staatlichen Behörden übernommen, doch kam es erst 1925 zur Vereinigung des Landesregierungsarchivs mit dem Landes­archiv 71). Das Archiv des Geschichtsvereins wurde 1942 dem Kärntner Landesarchiv eingereiht und ist erst 1950 als geschlossener Bestand in das Eigentum des Lan­des Kärnten übergegangen 72). * 70 71 72 e9) Franz Komotar Verzeichnis der archívalischen Literatur Krains in Mitteilungen des k. k. Archivrates 1 (1914) 244 f. 70) Posch Zahn 69. 71) Martin W u 11 e 25 Jahre Kärntner Landesarchiv in Carinthia I 119 (1929) 112 ff. 72) Handbuch der österreichischen Wissenschaft 5 (1964) 190.

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