Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive
68 Fritz Posch Steiermärkischen Landesarchiv selbstverständlich nur zur Ehre gereichen. Die Reisekosten wurden ausnahmsweise vom steirischen Landesfond getragen. Zahn konnte in Linz mittels Modellen und Mustern die steirische Organisation und Ordnung und Arbeitsweise demonstrieren, auch wurden einzelne Proben und Schemata dort belassen. Es war vorgesehen, in einiger Zeit von Linz aus anzusuchen, mit Zeichnungen und Modellen in Originalgröße auszuhelfen und einen „Sendling“ des näheren zu unterrichten 62). Galt dieser Aufenthalt Zahns in Linz noch dem Musealarchiv, so sollte er bald Gelegenheit haben, auch bei der Gründung des Oberösterreichischen Landesarchivs mitzuwirken. In Oberösterreich wird zwar das ständische Archiv bereits 1861 als Landesarchiv bezeichnet, doch kam es zur Gründung des eigentlichen Landesarchivs erst 1896, als das ständische Archiv von der Registratur getrennt und als wissenschaftliches Amt mit der Aufgabe betraut wurde, ein Zentralarchiv des Landes zu bilden. Sein erster Vorstand Dr. jur. Ferdinand Krakowitzer war schon am 11. März 1875 zum „Landesarchivar und Registrator“ ernannt worden®3). An der Wiege des Oberösterreichischen Landesarchivs stand vor allem Julius Strnadt. Nach den Worten Strnadts bildete jedoch den eigentlichen Anstoß, „die Archivaction in Oberösterreich ins Rollen gebracht zu haben“, die 1893 erschienene Denkschrift über den fünfundzwanzigjährigen Bestand des steiermärkischen Landesarchivs von Josef Zahn 64). Der Zweck der Gründung war auch hier, das gesamte urkundliche Material zur Geschichte des Landes zu sammeln. Den Grundstock sollte das aus der Registratur des Landhauses ausgeschiedene ständische Archiv bilden, an das im Laufe der Zeit andere Archivkörper des Landes angeschlossen werden sollten 65 66 67). Der Landesausschuß wurde am 11. Februar 1895 vom Oberösterreichischen Landtag mit den nötigen Erhebungen und Vorarbeiten beauftragt. Das Steiermärkische Landesarchiv sollte Vorbild sein, weshalb der Organisationsentwurf auch dessen Vorstand, Josef v. Zahn, zur Prüfung vorgelegt wurde. Außerdem konferierte Strnadt als Referent im Landesausschuß mit dem Direktor des k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs und dem Leiter des neugegründeten Statthaltereiarchivs in Wien und studierte die Einrichtungen des Steiermärkischen Landesarchivs in Graz. Auf Grund dieser Erhebungen genehmigte der oberösterreichische Landtag am 10. Jänner 1896 das provisorische Organisationsstatut für das Oberösterreichische Landesarchiv und beauftragte den Landesausschuß mit der Durchführung der Organisation 66). In dieser Sitzung sprach der oberösterreichische Landtag unter anderem ausdrücklich auch dem Steiermärkischen Landesausschuß in Graz und dem Landesarchivdirektor Regierungsrat Dr. Josef v. Zahn unter den um das Zustandekommen verdienten Körperschaften und Persönlichkeiten den ehrfurchtsvollsten Dank aus 67). Mit Note vom 8. Juli 1896 wurde der Landesausschuß des Herzogtums Steiermark gebeten, den Landesarchivar Zahn ersuchen zu wollen, dem oberösterreichischen Landesarchivar alle erforderlichen Informationen zu erteilen. Diesem Ersuchen entsprach der steiermärkische Landesausschuß am 14. Juli, teilte aber mit, daß Zahn bis 31. August beurlaubt worden sei. 62) Steiermärkisches Landesarchiv Landschaftliches Archiv V b/3 6113/91 und 7337/91. 63) Zibermayr Landesarchiv 280 f. fl«) Ebenda 289. 65) Ebenda 290 f. 66) Ferdinand Krakowitzer Das ob er österreichische Landesarchiv zu Linz (Linz 1903) V f. 67) Mitteilungen der dritten (Archiv-jSection 4 (1899) 115.