Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive

Das Archivwesen der Länder 57 1840 gab Metternich die Erlaubnis, daß der Hof- und Staatsarchivar Josef Chmel Abschriften der auf Oberösterreich bezüglichen Urkunden im k. k. Hof- und Staatsarchiv machen dürfe. Stülz hat, unterstützt von drei Gehilfen, 1837 bis 1862 die umfangreiche Abschriftensammlung der in den obderennsischen Archiven befindlichen Urkunden, das Diplomatar, zusammengebracht. Gesam­melt wurde im wesentlichen bis 1500. 1843 bis 1869 wurden 5610 Abschriften angefertigt, vorher waren mindestens 1300 vorhanden, was also zusammen ca. 7000 ausmacht22 *). Dem Verein oblag nach den Satzungen von 1834 die Sammlung von Urkunden und er hatte ursprünglich nicht die Absicht, alle Geschichtsquellen des Landes an sich zu ziehen. Dennoch kam 1836 ein Teil des Archivs von Schlüsselberg als Leihgabe der Stände an das Museum und über­ließ im selben Jahre das Linzer Domkapitel die in Waldhausen befindlichen Urkunden. Man beschränkte sich auf die Übernahme geschenkter Archivalien und war in erster Linie auf den Erwerb von Urkunden aus, da ja das Diplo­matar gefördert werden sollte. Bis 1858 war diese Sammlung daher nicht all­gemein zugänglich und erst 1882 wurde sie neu geordnet und katalogisiert. V. Handel-Mazzetti konnte die Überlassung einiger vom Untergang bedrohter großer Herrschaftsarchive erreichen. Schon 1893 war Julius Strnadt dafür ein­getreten, das Archiv des Museums mit dem Archiv des Landes zu vereinigen, was nach der Gründung des Oberösterreichischen Landesarchivs dann auch durchgeführt wurde 22). Das städtische Museum Carolino-Augustineum in Salzburg erhielt fast jedes Jahr Zuwachs an Archivalien, so zum Beispiel 1847 die städtischen Ur­kunden. 1893 wurden sämtliche Archivalien der Stadtgemeinde an das Museum übergeben. Außer zahlreichen Urkunden umfaßte dieses Stadtarchiv 1457 Bände, das Stiftungsarchiv der Stadt Salzburg außer den Urkunden 2767 Bände. Dazu kamen noch umfangreiche Bestände an Zunftarchivalien. Dieses Archivgut war 1916 in einem gewölbten Raum im Erdgeschoß des Museumsgebäudes unter­gebracht 24 25) und ist noch heute im Besitze des Museums. Das Vorarlberger Landesmuseum bzw. der Museumsverein erhielt 1863 das große Mehrerauer Archiv, nachdem er schon 1859 die ständischen Akten übernommen hatte 2ä). In Kärnten und Niederösterreich kam es wegen der späten Mu­seumsgründungen zu keinen Ansammlungen von Archivgut in den Museen. 1(b) Neben den Museen, denen meist Musealvereine zur Seite standen, waren es in einzelnen Ländern auch die historischen Vereine, die Archiv­gut sammelten, das später in die Landesarchive überging. Die Geschichts­vereine schossen ebenso wie die Museen im Gefolge der Romantik empor, nachdem die 1819 vom Freiherrn vom Stein in Frankfurt gegründete „Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde“ ins Leben getreten 22) Ebenda 614 f. 23) Ebenda 631 ff. 24) Franz Martin Die archivalischen Bestände des städtischen Museums Carolino-Augustineum in Salzburg in Mitteilungen des k. k. Archivrates 2 (1916) 250 ff. 25) Viktor Kleiner Das Vorarlberger Landesarchiv in 41. Jahresbericht des Vorarlberger Museumsvereines über das Jahr 1902 183 ff.

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