Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive

58 Fritz Posch war. Stein hat auch schon 1819 einen Aufruf erlassen, in welchem er zur Bildung von landschaftlich abgegrenzten Geschichts- und Altertumsver­einen aufforderte 26). In Österreich entstanden neben den Musealvereinen, die im Zusammenhang mit den Museen erwähnt wurden, nun ebenfalls landschaftliche Geschichtsvereine, die Quellenmaterial zur Landesgeschich­te sammelten. Es war dies vor allem der 1843 von Erzherzog Johann gegründete, in seinen Anfängen in das Jahr 1839 zurückreichende Histori­sche Verein für Innerösterreich. Der Historische Verein für Innerösterreich stellte sich neben der Aufhellung der Geschichte der drei innerösterreichischen Länder bereits die Auf­gabe, alle Quellengattungen zu sammeln und auch auswärtige Bibliotheken und Archive zu durchforschen. Alle Erwerbungen sollte das Joanneum in Graz erhalten. Da der Historische Verein für Innerösterreich nur als Dachorganisation gedacht war, hatten die drei Landesvereine in Graz, Klagenfurt und Laibach die eigentliche Sammel- und Forschungsarbeit zu leisten. Als der Historische Verein für Innerösterreich 1849/50 in die drei Zweigvereine für Steiermark, Kärnten und Krain zerfiel, setzten die Provinzialvereine die Bestrebungen des alten Dachvereins für ihre Länder fort 27). Da es in Kärnten kein Museum gab, fiel hier dem Geschichtsverein für Kärnten allein die Aufgabe des Sammelns der landesgeschichtlichen Quellen zu. Bereits 1844 hatte der Vereinsausschuß dem Erzherzog Johann berichten können, daß eine beträchtliche Anzahl von Urkunden in Originalen oder Abschriften eingetroffen sei und daß sich die Archive des Landes dem Verein bereitwillig geöffnet hätten. Der eigentliche Begründer des Archivs war der erste Vereinsdirektor Gottlieb Freiherr von Ankershofen, unter dessen Leitung die archivalischen Schätze so anschwollen, daß man 1846 bereits über 10.000 Stück zählte. In den Sechziger jahren wurde die Ordnung der auf gestapelten Archiva­lien in Angriff genommen. 1883 wurde August Ritter von Jaksch Vereinsarchi­var, unter dem die Erschließung des Archivs die größten Fortschritte machte. Jetzt wurden auch Archivbereisungen durchgeführt, sodaß alle Archivbestände im Lande erfaßt werden konnten. Jaksch schwebte von Anfang an die Heraus­gabe eines Kärntner Urkundenbuches vor, welche Aufgabe er mit den Monu­menta Historica Ducatus Carinthiae gelöst hat 28). Obwohl in der Steiermark das Joanneumsarchiv die zentrale Sammel­stelle für Archivgut war, stellte sich der junge Historische Verein für Steier­mark in seinen Statuten vom 2. Dezember 1850 neben der Forderung nach wis­senschaftlicher Bearbeitung der Landesgeschichte als eine der Hauptaufgaben des Vereins die Sammlung und Erhaltung der heimatlichen Geschichtsquellen, und zwar unter dem Titel der Anlage einer Urkundensammlung, doch war im 26) Hermann H e i m p e 1 Aus der Geschichte der deutschen Geschichtsver­eine in Neue Sammlung 1 (Göttingen 1961); dsbe Geschichtsvereine einst und jetzt (Göttingen 1963). 27) Fritz P o p e 1 k a Der Historische Verein für Innerösterreich und seine Zweigvereine in Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark 41 (1950) 3 ff. 28) Martin W u 11 e Das Archiv des Geschichtsvereins für Kärnten in Carinthia I 103 (1913) 52ff; Hans Braumüller Zur Hundertjahrfeier des Geschichtsvereines für Kärnten in Carinthia 1 133 (1943) 18 ff.

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