Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
POSCH, Fritz: Das Archivwesen der Länder und die Entstehung der österreichischen Landesarchive
56 Fritz Posch die geschichtliche Landesforschung, deren Anforderungen ja vielfach die treibende Kraft für ihre Gründung waren. Wenn wir nun kurz versuchen, die Tätigkeit dieser Museen in dieser Richtung darzulegen, ergibt sich folgendes Bild: Das nach dem Joanneum älteste mährische Museum hat nach dem Vorbild des Joanneums ebenfalls Urkunden und Handschriften gesammelt, doch verlief die Entwicklung in Mähren anders als in der Steiermark, da damals dort bereits ein Landesarchiv sich dieser Aufgaben annahm. Die Handschriften- und Urkundensammlung des mährischen Landesmuseums wurde 1901 vom Landesarchiv übernommen ,3). Das 1818 gegründete Museum des Königreichs Böhmen hat sich an erster Stelle der Sammlung der vaterländischen Urkunden gewidmet und begann mit der Sammlung von Archivalien und den Vorbereitungen zur Herausgabe von Monumenta Bohemica. Diese Sammlungen wurden jedoch erst seit 1826 stärker betrieben und später besonders durch Palacky gefördert 12 * I4). Im Tiroler Landesmuseum, das zwar als dritten Aufgabenkreis die Geschichte und Statistik genannt hat, wurden aber keine Archivalien gesammelt, da dieses Museum sein Wirkungsfeld auf die Förderung der schönen Künste erweiterte und damit die Aufgaben der Kunstförderung übernahm 15 *). Hingegen hatte das 1826 gegründete krainische Landesmuseum auch ein Archiv, dessen Abtretung 1845 der Vorstand des Historischen Vereins anstrebte, was aber abgelehnt wurde lc). Nach dem Berichte Chmels befanden sich 1856 im Landesmuseum 1025 Nummern Archivalien, von denen mehrere Hunderte von einzelnen Stücken enthielten17). Es befanden sich hier unter anderem die Brixner Urkunden über Schloß und Gut Veldes aus dem 11. Jahrhundert, Sitticher und Michelstätter Urkunden und Manuskripte und Archivalien von Neumarkt und Rudolfswerth 18). Das Archiv kam später an das Landesarchiv. In Oberösterreich waren bereits 1834 200 mittelalterliche Urkunden an den Musealverein für das zu gründende Museum eingegangen 19). Die bedeutendste Leistung dieses Vereines für die Geschichtswissenschaft war die Herausgabe des Oberösterreichischen Urkundenbuches, dessen erster Band 1852 erschienen ist 20). Nach dem Vorbild des Joanneumsarchivs wurde vorerst mit der Sammlung des Urkundenmaterials in Abschriften begonnen. 1839 waren bereits 500 Urkunden des 12. bis 16. Jahrhunderts abgeschrieben21). Die Stände sicherten dem Verwaltungsausschuß ihre Einflußnahme auf die Dominien wegen Öffnung ihrer Archive zu und machten auch das ständische Archiv zugänglich. 12) Berthold Bretholz Das mährische Landesarchiv (Brünn 1908) 91. H) Václav Boiemir N e b e s k y Geschichte des Museums des Königreiches Böhmen (Prag 1868); J. Prochno Das Böhmische Landesarchiv Prag, seine Geschichte und seine Bestände (Prag 1943) 4. 15) Zibermayr Musealverein 126 f. !6) Argo 2 (1898) 54 f. 17) Sitzungsberichte der phil.-hist. Kl. der k. Akademie der Wissenschaften 22 (1856) 48. 18) Peter Hitzinger in Mitteilungen des Historischen Vereins für Krain 10 (1855) 12. 19) Zibermayr Musealverein 147 f. 20) Zibermayr Musealverein 160 f; Erich Tr inks Das Urkundenbuch des Landes ob der Enns in Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 85 (1933) 589 ff. 21) Ebenda 612.