Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WAGNER, Walter: Archiv und Registratur der Akademie der bildenden Künste in Wien

Archiv und Registratur der Akademie der bildenden Künste in Wien 47 hörte weiterhin zur Kanzlei. Immerhin benützte man die Gelegenheit der Ausarbeitung der Festschrift anläßlich der Übersiedlung in das neue Haus am Schillerplatz durch den Bibliothekar Karl von Lützow, um die beim Ministerium verwahrten Akten der früheren Kuratoren im November 1874 anzufordern. Das Ministerium lehnte zuerst die Ausfolgung ab und verlangte die Benützung an Ort und Stelle, bewilligte aber dann doch im Februar 1875 die Herausgabe zu dem angegebenen Zwecke40). Das Übergabsverzeichnis nennt außer den heute vorhandenen 22 Faszikeln Metternichakten noch einen Faszikel Miscellanea zu den Akademieakten, der sich ebenfalls noch vorfand. Ferner waren damals die Protokolle und Indices komplett und wiesen nicht die gegenwärtig bestehende Lücke von 1841—46 auf. Offenbar gab man den ganzen Bestand nie mehr an das Ministerium zurück. Nach Fertigstellung des Neubaues ersuchte der Se­kretär Lott um die Übergabe aller Pläne, Rechnungen und sonstigen Behelfe. Das Ministerium entsprach am 22. März 1880 nicht nur diesem Wunsche, sondern verfügte auch, daß die Bauleitung (Professor Hansen) alle Pläne und Zeichnungen der Akademie übermittle 41). Aus dem Pro­tokoll der Kollegiumssitzung vom 8. November 1895 42) erfahren wir, daß der Diurnist Raimund Stiassny in jahrelanger Arbeit ein Hauptnamens­register der Schüler mit etwa 50 000 Namen angelegt hatte. Dieses um­faßte zunächst nur die nicht alphabetisch angeordneten Matrikenbände, doch wurden später auch die übrigen nachgetragen. Zu einem nicht fest­stellbaren Zeitpunkt wurde dann dieses nur nach dem Anfangsbuchstaben geordnete Register buchstabenweise durchnumeriert und ein feinalpha­betischer Index angelegt. 1920 kam durch eine Spende ein Kassendoku­ment der Akademie ins Archiv43). Wiederholt wurden Auskünfte aus den Akten erteilt44), und das Archiv war auch der Forschung zugänglich. Sehr bezeichnend für die positive Einstellung der Akademie zu ihrem Archiv ist die Antwort, welche der Rektor Prof. Rudolf Bacher im Juni 1926 dem Ministerium auf einen Erlaß über Skartierungen erteilte45). Das Archiv sei, so heißt es darin, in der Kanzlei verwahrt, benötige demnach ohnehin keinen eigenen Raum. An eine Aktenskartierung könne mit Rücksicht darauf, daß das Archiv fast die einzige Quelle für die österreichische Kunstgeschichte dar­stelle, erst gedacht werden, wenn die Raumverhältnisse dazu zwängen, in den älteren Jahrgängen Platz zu schaffen. Über Anregung des damaligen Direktors der Rektoratskanzlei Dr. Ru­«) Akten 1874 Nr. 418, 449; 1875 Nr. 225. 41) Akten 1880 Nr. 166. 42) Sitzungsprotokolle 1895. 43) Akten 1920 Nr. 72. 44) Z. B. Akten 1884 Nr. 443 an Abtei Admont für wissenschaftliche Zwecke. 45) Akten 1926 Nr. 841.

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