Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WAGNER, Walter: Archiv und Registratur der Akademie der bildenden Künste in Wien

Archiv und Registratur der Akademie der bildenden Künste in Wien 45 Ein solches Protokoll habe er seit dem 1. November 1833 eingeführt, in das bisher 438 Stücke, darunter 8 Sitzungsprotokolle, eingetragen worden seien. Für ebenso notwendig erachte er es, daß die erledigten, nicht zur persönlichen Verwahrung durch den Sekretär bestimmten Akten in einer registraturmäßigen Ordnung faszikuliert und aufgestellt sowie verläß­lich indiziert würden, damit man nicht halbe oder ganze Tage benötige, um einen Vorakt aufzufinden. Zur Anfertigung der Protokollextrakte, zur Führung von Protokoll und Index, zur „Punktirung“ der Verhand­lungen bei den Sitzungen, zur Verfassung der Sitzungsprotokolle unter Anweisung des Sekretärs, für weniger wichtige Konzepte, zur Mundie- rung, Anfertigung von Abschriften und dergleichen brauche man drin­gend einen qualifizierten, beeideten Beamten als Protokollisten, Regi­strator und Expeditor, der aber nicht wie bisher daneben eine andere Beschäftigung haben dürfe. Die derzeitige Besoldung dieser Stelle mit 200 fl. sei völlig unzureichend und stamme aus einer Zeit, wo die Aka­demie noch sehr wenig Korrespondenz führte, „wo ihre wenigen schrift­lichen Akten jahrweise in ein Pack mit einer Schnüre zusammengebun­den und bey Seite in ein Behältniß gelegt wurden, welches man Archiv nannte“ und wo man weder ein Protokoll noch einen Index führte. Remy schlage für die Stelle den bisherigen Protokollisten Zülzer vor, dem man zusätzlich den für den Archivar und Kustos bestimmten Gehalt von 400 fl. bewilligen möge. Der Rat trat diesen Vorschlägen einstimmig bei und am 28. März 1835 genehmigte der Kaiser die definitive Ernennung Zülzers mit 600 fl. Gehalt sowie die Auflassung der Archivarstelle 30). Diesmal erwies sich die Neuordnung als durchaus erfolgreich. Denn vom Schuljahr 1833/34 an setzt die geschlossene Reihe der Protokolle und Indices sowie eine Aktenablage streng nach Nummern ein. Darüber hinaus begann Zülzer auch noch die Aufarbeitung der vorhergehenden Bestände, wobei er offenbar von 1833 zurück ging. Er kam mit der Protokollierung, Numerierung und Indizierung bis zum Jahre 1822. Merkwürdigerweise legte er diese älteren Akten jedoch nicht nach den neu gegebenen Nummern, sondern alphabetisch nach Sachbetreffen ab, wobei innerhalb der Buchstaben die einzelnen Betreffe durchnumeriert sind. Die Bezeichnung des Buchstabens und der letztgenannten Nummer ist in den Protokollen mit Bleistift eingetragen. Die Anlage der Indices entspricht der Hinterlegung, doch sind die neuen Aktennummern ver­merkt, sodaß sie auch nach der Umlegung der Akten nach Nummern verwendbar sind. Bei den im Jahre 1848 einsetzenden mehrfachen Umorganisierungen der Akademie ist nie mehr von einem Archiv, sondern nur von der Kanzlei die Rede, in der die Akten verwahrt werden. Zülzer wurde zu­30) Akten 1835 Nr. 222.

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