Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WANDRUSZKA, Adam: Anton Steindl Ritter von Plessenet. Ein österreichischer Diplomat in der Levante

Anton Steindl Ritter von Plessenet 455 Generalkonsuls Peter Ritter von Weckbecker zum Generalkonsul in Genua freigeworden — erhielten seine Leistungen und Verdienste end­lich die gebührende Belohnung und Anerkennung. In seinem Vortrag vom 25. Februar 1854 hatte der Außenminister Graf Buol die Wichtigkeit von Smyrna auch wegen der Gründung einer Niederlassung der revolu­tionären Emigration aus Europa betont, sowie das Interesse der Inter­nuntiatur, „das österreichische Generalkonsulat in jenem Seehafen durch einen Funk­tionär besetzt zu sehen, welcher mit den jetzigen politischen Verhältnissen in der türkischen Hauptstadt möglichst vertraut, in der sachgemäßen Behandlung der einschlägigen Fragen gehörig erprobt ist und die Kenntniß der orientali­schen Sprachen in dem Maße besitzt, daß er in vorkommenden Fällen unmittel­bar mit den osmanischen Machthabern zu verkehren im Stande ist. In diesem Anbetracht könnte nicht leicht ein geeigneteres Individuum aufgefunden wer­den als der seit den letzten Jahren in der Funktion eines ersten Internuntiaturs- Dolmetsch verwendete ehemalige Consul von Salonik Anton Steindl von Plessenet“ 18). Als Ritter des Leopoldsordens konnte er um die Erhebung in den erblichen Ritterstand ansuchen. Nachdem in seinem Auftrag eingehende Nachforschungen über die Familiengeschichte der Steindl und vor allem über die einstige Zugehörigkeit der Familie zu den oberösterreichischen Landständen durchgeführt worden waren, erfolgte am 30. April 1861 die Ausstellung des kaiserlichen Diploms. Schon vorher hatte er das Komman­deurskreuz des belgischen Leopoldsordens, den ottomanischen Verdienst­orden mit Brillanten, den Medjidie-Orden III. Klasse und den päpstlichen Silvester-Orden erhalten. Wenn er sich im gleichen Jahre 1861 vergeb­lich um den freigewordenen Posten eines Vizepräsidenten der k. k. Cen- tral-Seebehörde in Triest bewarb und dabei nach Anführung aller seiner Verdienste und der bisher gewonnenen einschlägigen Erfahrungen (Ver­tretung der Handels- und Schiffahrtsinteressen in der Türkei als dritter und zweiter Dolmetsch, Mitwirkung bei der Abfassung der türkischen Sanitäts-Verordnungen und an der Revision der österreichischen Quaran­täne-Vorschriften) zuletzt auch anführte, „daß ich den größten Theil mei­nes Lebens, und insbesonders meine ganze langjährige Dienstzeit in der Türkei zugebracht habe, daher der Wunsch, meine letzten Lebens- und Dienstj ahre in einem zivilisierten Lande, und namentlich in der Heimat zuzubringen, ein ganz gerechtfertigter ist“ 19), so war hier wohl wieder in erster Linie das Drängen seiner sich nach der Heimat sehnenden Frau maßgeblich, vielleicht aber auch schon sein schlechter Gesundheitszustand. Während eines in der Steiermark verbrachten, mehrmals verlängerten Krankheitsurlaubs ist er am 27. Jänner 1864 im 53. Lebensjahr in Graz gestorben. Seine Tochter Hermine heiratete einen Sohn des Ministers is) Vortrag Buols 1854 Februar 25: PSt. i*) Gesuch Steindls 1861 Jänner 23: PSt.

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