Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WANDRUSZKA, Adam: Anton Steindl Ritter von Plessenet. Ein österreichischer Diplomat in der Levante

456 Adam Wandruszka Bruck, der als Internuntius in Konstantinopel dort kurz Steindls un­mittelbarer Vorgesetzter gewesen war und wesentlich zu seiner Ernennung zum Generalkonsul in Smyrna beigetragen hatte. Sein einziger, am 29. September 1849 in Konstantinopel geborener Sohn Hermann, der dann nach dem Tod des Vaters von der Mutter, wie er später klagte, mit allzu zärtlicher „Affenliebe“ erzogen worden war, besuchte in Graz das Gym­nasium. Da er aber wie fast alle Steindls zwar ein sehr gutes Gedächtnis und ein hervorragendes Sprachentalent besaß, aber ein schlechter Rechner war, fiel er bei der Matura in Mathematik durch. Er schaffte es zwar dann in Cilli, aber sein Herzenswunsch, ebenfalls in die Orientalische Akademie einzutreten, war damit verspielt. Er studierte Jus und wurde Finanzrat bei der Finanzdirektion in Triest. 1884 heiratete er in Smyrna die Baronesse Nelida Aliotti aus einer ursprünglich toskanischen, seit mehreren Generationen in der Levante lebenden weitverzweigten Familie von Kaufleuten und Reedern. Der Ehe entsprossen zwei Töchter, Maria Antonia („Ninette“), verehelichte Wandruszka von Wanstetten, und Hermine, verehelichte Baronin Giannelia von Philergos. In Smyrna hat man Anton Steindl ein gutes Andenken bewahrt. So heißt es in einer Eingabe des Kanzlers des Generalkonsulats Hanswenzl an den Internuntius Baron Prokesch-Osten vom 26. März 1864: „Um den Namen des am 27. Jänner verstorbenen General-Consuls Ritter von Steindl-Plessenet, gegen den die ganze österreichische Colonie und ein großer Theil der Bevölkerung Smyrna’s von Gefühlen der Liebe und Dankbarkeit beseelt ist, auf immer hierorts zu verherrlichen und im steten Angedenken zu erhalten, haben einige seiner Verehrer, darunter die meisten von der griechisch-orthodoxen Religion, einen Geldbetrag von 9.000 Piaster zu dem Behufe gesammelt, damit in der im Bau begrif­fenen katholischen Kathedrale ein Grabmal eingesetzt und alle Jahre am Tage des Absterbens für die Ruhe der Seele des Verstorbenen ein Re­quiem abgehalten werden“20). Die Summe wurde dem Erzbischof von Smyrna, Vincenzo Spaccapietra, übergeben, der sich für sich und seine Nachfolger zur jährlichen Zelebration des Requiems und zur Erhaltung der Gedenktafel verpflichtete 21). Die im Anhang veröffentlichten Berichte Steindls vom syrischen Kriegsschauplatz geben ein anschauliches Bild vom Ende des kurzen Feld­zugs der englisch-österreichisch-türkischen Alliierten gegen Ibrahim Pascha, den Sohn des Vizekönigs von Ägypten Mehmed Ali; besonders auch von den Schwierigkeiten alliierter Kriegsführung und der Zusam­menarbeit so verschiedenartiger Persönlichkeiten wie des berühmten *°) Eingabe des Kanzlers Hanswenzl an den Internuntius Baron Anton Prokesch-Osten, Smyrna 1864 März 26. In der Liste der Spender finden wir mit je 100 Piaster die Namen Themistocle, Pericle und Sophocle Baltazzi: PSt. 21) Stiftsbrief des Erzbischofs von Smyrna, Vincenzo Spaccapietra: PSt.

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